Hamburgs Olympia-Traum geplatzt: Zweites Nein bei Referendum
Hamburgs Olympia-Traum geplatzt: Zweites Nein

Hamburg sagt erneut Nein zu Olympia

Die Hansestadt hat zum zweiten Mal eine Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele abgelehnt. Bei einem Referendum stimmten rund 55 Prozent der Hamburger gegen die Austragung. Damit ist der Traum von Olympia in Hamburg vorerst geplatzt. Die Stadt, die sich gerne als Tor zur Welt bezeichnet, will die Welt offenbar lieber draußen lassen.

Prominente Unterstützung verpufft

Die Befürworter hatten eine aufwendige Kampagne gestartet. Udo Lindenberg, der gerade 80 Jahre alt geworden ist, warb an Laternenmasten mit dem Slogan „Cooles Ding“. Auch viele andere Prominente, Sportler, Feuerwehrleute und Schulkinder zeigten sich auf Plakaten. Der Erste Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) war auf zahlreichen Veranstaltungen präsent, die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) probierte sich in olympischen Sportarten aus. Mehrere Millionen Euro wurden für die Kampagne ausgegeben. Doch all das half nichts: Die Ablehnung fiel mit rund 55 Prozent Nein-Stimmen sogar deutlicher aus als 2015, als das Rennen noch knapp verloren ging.

Schizophrenie in der Stadtpolitik

Die rot-grüne Regierung hatte ein schlüssiges Konzept vorgelegt, doch die Stimmung in der Stadt ist von einer gewissen Schizophrenie geprägt. Einerseits werden SPD und Grüne immer wieder mit komfortablen Mehrheiten gewählt, andererseits haben ihre eigenen Vorhaben bei Abstimmungen keine Mehrheiten. Volksentscheide von außen haben dagegen hohe Erfolgschancen. Große Projekte wie Olympia werden so verunmöglicht, weil sie als Elitenprojekt angesehen werden. Ein großes linkes Lager lässt sich leicht mobilisieren, obwohl die Partei selbst selten Höhenflüge erlebt.

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Gründe für das Scheitern

Die deutliche Niederlage hat mehrere Ursachen. Bezirke wie Harburg und Bergedorf fühlen sich chronisch abgehängt. Viele haben die baulichen Misserfolge der Vergangenheit wie die Elbphilharmonie noch im Gedächtnis. Andere befürchten, dass Olympia in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Fehlanreize setzt und Wohnen noch teurer macht. Das Misstrauen in die Handelnden ließ sich nicht mehr tilgen. Mit einfachen Aussagen konnten die Gegner punkten.

Partikularinteressen dominieren

Schon im Bewerbungsprozess zeigte sich, wie sehr Partikularinteressen eine Rolle spielten. Eine Polizeigewerkschaft riet zu einem Nein, weil Tarifforderungen nicht erfüllt wurden. Der Denkmalverein sorgte sich um Bauten an der Binnenalster. Vor allem viele Ältere stimmten mit Nein, obwohl sie die Spiele 2040 oder 2044 kaum erleben würden.

Hamburg als schlafende Schöne

Helmut Schmidt nannte Hamburg einst eine „schlafende Schöne“. Die Stadt hat sich mit ihrer Inselstellung arrangiert, doch das könnte sich in den nächsten Jahrzehnten ändern. Investitionen und gemeinsame Ziele wären wichtig, doch das Erweckungserlebnis blieb aus. Am Sonntagabend versammelten sich die Enttäuschten in der Handelskammer. Die Linken jubelten im Rathaus, die AfD forderte Tschentschers Rücktritt. CDU-Oppositionsführer Dennis Thering sprach von einer „vertanen historischen Chance“. Bürgermeister Tschentscher zog die Bewerbung zurück und kündigte an, die Infrastrukturvorhaben auch ohne Olympia umzusetzen. Ein „cooles Ding“ war das nicht.

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