In Niedersachsen können Schülerinnen und Schüler ab dem kommenden Schuljahr erstmals Plattdeutsch als reguläre zweite Fremdsprache wählen. Das niedersächsische Kultusministerium hat der Oberschule im ostfriesischen Uplengen die Genehmigung erteilt, Niederdeutsch als ordentliches Unterrichtsfach anzubieten. Dies gab die Behörde am Donnerstag bekannt.
Ein neues Kapitel für die Sprachenvielfalt
Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) erklärte dazu: „Heute schreiben wir ein neues Kapitel für unsere Sprachenvielfalt in Niedersachsen.“ Die Genehmigung gilt für Schülerinnen und Schüler, die ab dem 1. August 2026 in den sechsten Jahrgang der Oberschule in der Gemeinde nordwestlich von Leer eintreten. Bislang gab es Plattdeutschunterricht in Niedersachsen nur in Wahlpflichtfächern oder Arbeitsgemeinschaften. Neu ist nun das Angebot als reguläre zweite Fremdsprache.
Zusammenarbeit mit der Universität Oldenburg
Die Oberschule in Uplengen arbeitet eng mit der Universität Oldenburg zusammen, insbesondere bei der Ausbildung von Lehramtsstudierenden. An der Hochschule wird bereits seit 2023 ein entsprechender Studiengang für Niederdeutsch angeboten. Ab 2028 sollen in Uplengen auch die notwendigen Ausbildungsplätze bereitstehen, um Referendarinnen und Referendare im sogenannten Vorbereitungsdienst für das neue Unterrichtsfach zu schulen. Zudem wirken die Lehrkräfte der Oberschule federführend an der Entwicklung eines Kerncurriculums für Niederdeutsch mit – also eines detaillierten Lehr- und Lernzielplans für den entsprechenden Unterricht.
Historischer Hintergrund
Bereits 2017 hatte der niedersächsische Landtag die Weiterentwicklung des Plattdeutschunterrichts zu einem ordentlichen Schulfach beschlossen. Plattdeutsch ist die gebräuchlichere umgangssprachliche Bezeichnung für die niederdeutsche Regionalsprache, die früher in Norddeutschland im Alltag weit verbreitet war, jedoch mit der Zeit an Bedeutung verloren hat. Nach der Jahrtausendwende setzte laut Kultusministerium allmählich ein Umdenken ein, nicht zuletzt ausgelöst durch Initiativen der EU und des Europarats für den Erhalt der kulturellen Vielfalt in den Mitgliedstaaten. Die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen verlieh Niederdeutsch sowie der in Teilen Niedersachsens gesprochenen Minderheitensprache Saterfriesisch einen speziellen rechtlichen Status. Niedersachsen ging als eines von acht Bundesländern entsprechende Förderverpflichtungen ein.
Vom „bildungshemmend“ zum „wichtigen Bestandteil“
Das Ministerium betont, dass sich auch die pädagogische Bewertung geändert habe. Erschienen Regionalsprachen wie Plattdeutsch früher als tendenziell „bildungshemmend“, gelten sie heute als „wichtige Bestandteile der Mehrsprachigkeit“. Wer zweisprachig mit Hoch- und Niederdeutsch aufwachse, lerne leichter Fremdsprachen, teilte das Ministerium mit.



