Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner hat sich im Abgeordnetenhaus zur Entlassung seines kurzzeitigen Digitalstaatssekretärs Matthias Hundt geäußert. Die Entscheidung basiere auf einem dauerhaft verlorenen Vertrauensverhältnis, sagte der CDU-Politiker am Donnerstag. „Das Vertrauensverhältnis ist nachhaltig gestört, es war und ist nachhaltig zerstört.“
Hintergründe der Entlassung
Hundt, der erst Mitte März von Wegner berufen worden war, hatte vor einer Woche nach nur zweieinhalb Monaten im Amt zunächst um seine Entlassung gebeten, diese Bitte jedoch später zurückgezogen. Daraufhin entließ der Senat ihn am vergangenen Dienstag. Er erhält rund 50.700 Euro Übergangsgeld, das ihm bei einer Entlassung auf eigenen Wunsch nicht zugestanden hätte. Auf die Frage, warum der Senat die Rücknahme der Entlassungsbitte akzeptiert habe, verwies Wegner auf beamtenrechtliche Regelungen: „Leider gelten diese beamtenrechtlichen Regelungen.“
Ermittlungen in Dresden
In der Vorwoche war bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft Dresden im Zusammenhang mit der Insolvenz einer Firma Hundts ermittelt. Laut Staatsanwaltschaft wurde am 25. November 2025 ein Insolvenzverfahren über das Vermögen von Hundts Beratungsunternehmen SDC Sachsen Digital Consulting GmbH eröffnet. Hundts Anwalt teilte mit, sein Mandant habe sich nichts zuschulden kommen lassen und sich mit allen wesentlichen Beteiligten geeinigt. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Politischer Druck auf Wegner
Wegner steht wegen der Personalie unter Druck. Die Opposition wirft ihm vor, vor der Berufung Hundts dessen Eignung und professionellen Hintergrund nicht ausreichend geprüft zu haben. „Sie haben ein so wichtiges Amt offenbar einem Hochstapler und Blender überlassen“, sagte Linke-Fraktionschef Tobias Schulze im Abgeordnetenhaus. Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Werner Graf sprach von einer Personalie, „die so nicht hätte passieren dürfen“. AfD-Fraktionschefin Kristin Brinker kritisierte: „Es kann nicht sein, dass jemand ohne Prüfung seiner Qualifikation und seiner bisherigen Lebensleistung in ein öffentliches Amt gebracht wird.“
Nachfolge geregelt
Die bisherigen Aufgaben Hundts übernahm Florian Hauer zusätzlich zu seinen Tätigkeiten als Bevollmächtigter des Landes Berlin beim Bund und Staatssekretär für Bundes- und Europaangelegenheiten. Hundt, Jahrgang 1969, war erst Mitte März zum Chief Digital Officer und Staatssekretär für Digitalisierung und Verwaltungsmodernisierung in der Berliner Senatskanzlei ernannt worden. Er folgte auf Martina Klement, die als Wirtschaftsministerin in die Brandenburger Landesregierung wechselte.



