Modenschau unter U-Bahn: Genehmigungsstreit in Pankow
Modenschau unter U-Bahn: Streit um Genehmigung in Pankow

Baustelle bis 2030: Eine Modenschau auf der Schönhauser Allee wird zum Politikum

Pankow. Um den Einzelhandel während der Großbaustelle zu stärken, sollen unter der Hochbahn Events stattfinden. Doch die Genehmigungen zu bekommen, erweist sich als schwer. Von Laura Wagener, Bezirksreporterin Pankow

An der Schönhauser Allee in Berlin-Prenzlauer Berg steht eine riesige Baustelle bevor. Ab Oktober dieses Jahres beginnen die Arbeiten für den Abriss und Neubau der Brücke. Auf allen drei Ebenen wird erneuert – U-Bahn, Straße, S-Bahn. Mindestens vier Jahre soll die Straße von Sperrungen und Lärm dominiert werden. Einzelhändler vor Ort fürchten weniger Kunden und große Verluste für ihr Geschäft.

Bereits im vergangenen Jahr hat die Bezirkspolitik deshalb entschieden, Veranstaltungen unter dem sogenannten Magistratsschirm – den oberirdischen grünen U-Bahn-Gleisen – zu unterstützen. Dadurch soll die Schönhauser Allee während des Baus lebendig bleiben und Besucher und Kunden anlocken. Doch am Beispiel einer Modenschau zeigt sich: Wer solche Sondernutzungen beantragt, stößt auf behördliche Hürden.

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Lokale Initiative will Einzelhandel mit Modenschau ankurbeln

Am 6. Juni wollte die Initiative „Meine Schönhauser Allee“ ein Mode-Event unter der U-Bahn an der Schönhauser Allee veranstalten. Besucher sollten so aktiv in den umliegenden Einzelhandel gelenkt werden, um die Wirtschaft vor Ort anzukurbeln. Auch interessant: Abriss und Neubau der Schönhauser-Allee-Brücke: Startdatum steht nun fest. Denn die Händler fürchten, dass die langjährige Baustelle negative Folgen für ihr Geschäft haben wird. Antje Krutzsch hat deshalb bereits die Reißleine gezogen. Die Unternehmerin betreibt mehrere Filialen ihrer Modeboutique „Luca e Anna“ in Berlin. Den Mietvertrag für ihr Ladenlokal an der Schönhauser Allee hat sie zu Ende November gekündigt – aus Sorge vor finanziellem Verlust durch die Baustelle.

Die Initiative will verhindern, dass mehr lokale Händler den Kiez verlassen. Mit Events wie der Modenschau sollen Besucher angelockt werden. Als Laufsteg war ein ebenerdiger roter Teppich unter dem Viadukt angedacht. Eine Bühne wurde aus Sicherheitsgründen vermieden. Die Initiative holte dazu Einschätzungen bei BVG, Feuerwehr und Polizei ein. Doch das zuständige Straßen- und Grünflächenamt (SGA) erteilte den Veranstaltern letztlich eine Absage. Die Begründung: Flucht- und Rettungswege würden blockiert. Die Veranstaltung sei in der geplanten Form nicht genehmigungsfähig.

Sicherheitsbedenken sorgen für Absage von Mode-Event

„Schon bei Anlieferung der Materialien und dem Aufbau müssten Sicherheitsgitter abmontiert werden und der Fließverkehr auf einer Hauptverkehrsstraße würde übermäßig eingeschränkt“, schreibt ein Sprecher des SGA auf Morgenpost-Anfrage. Die Gitter grenzen den Bereich unter dem Viadukt unmittelbar von den Tramschienen an der Schönhauser Allee ab. Für die Initiatoren ist die Entscheidung nicht nachvollziehbar. „Ich meine, dass die Verwaltung nicht alles geprüft hat“, sagt Max Neumann, Mitgründer der Initiative. „Man sollte auf ein Gelingen, nicht auf eine Verhinderung prüfen. Das ist meiner Meinung nach hier nicht passiert, sonst hätte man Alternativen gefunden.“ Neumann, der auch den Tourismusverein Berlin-Pankow leitet, sieht eine hohe Relevanz in Veranstaltungen wie der Modenschau. „Diese Events sind sehr wichtig, weil sie Besuchsanlässe schaffen für Menschen, die sich von Baustellen eher abgeschreckt fühlen. Durch den Eindruck, dass regelmäßig etwas an der Schönhauser Allee stattfindet, entscheiden sie sich eher für einen Besuch.“

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Sind Events nur während der Baustelle erlaubt?

Doch das Straßen- und Grünflächenamt hat noch ein weiteres Argument gegen die Modenschau: Auf Antrag mehrerer Parteien wurde 2025 entschieden, dass Sondernutzungen für Events „während des geplanten Brückenumbaus“ stattfinden können. Doch: Die Baustelle besteht aktuell noch gar nicht. „Durch die dann erfolgenden Straßensperrungen ergeben sich andere Voraussetzungen“, heißt es seitens des SGA. Neumann hat für diese Argumentation kein Verständnis. „Es ist nicht entscheidend, ob die Bauarbeiten schon angefangen haben oder nicht. Es geht darum, dass in der breiten Öffentlichkeit der Eindruck entsteht, dass an der Schönhauser kulturell was passiert und man was erleben kann. Damit kann man nicht früh genug anfangen.“ Aktuell versuchen die Veranstalter gemeinsam mit dem Bezirksamt eine Lösung zu finden. Die Initiative hofft auf einen Nachholtermin am 5. September. Ob der stattfinden kann, ist derzeit offen und hängt von der Zustimmung des Bezirks ab.

Arbeitsgruppe soll Sondernutzungen der Schönhauser Allee regeln

Seitens der Veranstalter ärgert man sich vor allem über die komplizierten, langwierigen Abstimmungen mit mehreren Behörden. Prozesse wie diese könnten künftig leichter laufen. Grüne und SPD bringen an diesem Mittwoch einen Antrag in die Pankower Bezirksverordnetenversammlung (BVV) ein. Darin fordern sie den Aufbau einer Arbeitsgruppe, die sich speziell mit Sondernutzungen der Schönhauser Allee befasst. Diese Arbeitsgruppe soll künftig über Sondernutzungen wie die Modenschau entscheiden. Ziel ist es, umständliche Genehmigungsprozesse zu vermeiden. Stattdessen sollen die zuständigen Behörden anlassbezogene Nutzungen der Schönhauser Allee frühzeitig beraten und gemeinsame Entscheidungen treffen.

Teil der Gruppe sollen demnach das Straßen- und Grünflächenamt, die Untere Denkmalschutzbehörde, die Wirtschaftsförderung, die BVG oder Senatsverwaltung für Mobilität, die Polizei, die Feuerwehr sowie die Initiative „Meine Schönhauser Allee IG“ sein. „Eine frühzeitige gemeinsame Abstimmung aller beteiligten Stellen kann dazu beitragen, Konflikte zu vermeiden, Verfahren zu beschleunigen und gleichzeitig Sicherheits-, Denkmal- und Verkehrsbelange angemessen zu berücksichtigen“, heißt es in dem Antrag. Die Initiative hofft, dass der Antrag beschlossen wird – am besten zeitnah. Immerhin könnte auch die Planung der Modenschau davon profitieren. Solange bleibt der anvisierte Nachholtermin im September mit einem Fragezeichen versehen.