Metalldiebe stehlen Friedhofsglocke in Edingen – Gemeinde bestürzt
Metalldiebe stehlen Friedhofsglocke in Edingen

Edingen-Neckarhausen (dpa/lsw) – Die Friedhofskapelle in Edingen ist um ihr Herzstück beraubt: Unbekannte Metalldiebe haben die massive Glocke aus dem Turm gestohlen. Seitdem schweigt die Glocke bei Beerdigungen, und die Mitglieder der Gemeinde im Rhein-Neckar-Kreis sind tief erschüttert. Die Tat ereignete sich in der vergangenen Woche in den Nachtstunden.

Diebe gingen professionell vor

Laut Polizei bauten die Täter zunächst den Klöppel aus, der mit einem Metallträger an der Glocke befestigt war. Anschließend ließen sie die schwere Glocke über das Schrägdach hinab, wobei mehrere Dachziegel zu Bruch gingen. Die Polizei schätzt das Gewicht der Glocke auf über 100 Kilogramm. Bürgermeister Florian König (37) kann keine Angaben zu genauen Maßen, Metallart oder materiellem Wert machen. „Wir haben uns ehrlich gesagt nicht damit auseinandergesetzt, dass jemand so viel kriminelle Energie aufwendet, eine Glocke von einem Glockenturm runterzuholen“, so König. „Weil einfach der Aufwand zum Ertrag, der damit erlösbar ist, glaube ich, in keinem Verhältnis steht.“

Mehrere Täter vermutet

Die Ermittler gehen von mindestens zwei Tätern aus. Es lägen bereits mehrere Hinweise zur Tat vor, so ein Polizeisprecher. In der Region habe es ähnliche Vorfälle gegeben. Das Landeskriminalamt verzeichnete im vergangenen Jahr allein in Baden-Württemberg 130 gemeldete Metalldiebstähle mit einem Gesamtschaden von knapp 700.000 Euro. Nur etwa ein Drittel der Fälle konnte aufgeklärt werden.

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Ideeller Wert unermesslich

Für die Edinger ist der ideelle Wert der Glocke immens. Sie überstand zwei Weltkriege. „Wir gehen davon aus, dass sie Ende des 18. Jahrhunderts gefertigt wurde“, sagt König. Der Name des Glockenmachers sei auf der Glocke vermerkt – dieser starb bereits 1819. Ursprünglich hing die Glocke auf dem alten Rathaus, bevor sie in den 1960er-Jahren auf die Kapelle umgesetzt wurde.

Serie von Metalldiebstählen in der Gemeinde

Die 14.000-Einwohner-Gemeinde wurde in den letzten Wochen mehrfach Opfer von Metalldieben. So wurde auf dem Friedhof in Neckarhausen eine menschengroße Bronzeskulptur aus ihrer Verankerung gebrochen. Der Materialwert liegt bei 400 bis 600 Euro, der ideelle Wert ist laut Bürgermeister jedoch um ein Vielfaches höher. „Dass sie künstlerisch wertvoll ist, ist, glaube ich, auch jedem Kunstbanausen bewusst.“

Königs Stellvertreter Dietrich Herold spricht von Pietätlosigkeit und verletzten Gefühlen der Trauernden. „Friedhofsdiebstähle sind so ziemlich das Gemeinste, was man sich bei Eigentumsdelikten vorstellen kann.“

Weitere Schäden an Freizeitbad und Halle

Kurz nach dem Skulpturendiebstahl deckten die Täter auch Teile des Daches des Freizeitbades in Neckarhausen und der angrenzenden Mehrzweckhalle ab, indem sie Kupferplatten entfernten. Zudem rissen sie Teile des Blitzableiters und Kupferrohre ab. Der Schaden belaufe sich auf über 20.000 Euro. „Das ist ein professionelles, hoch destruktives Vorgehen von Kriminellen, die auf Schaden keine Rücksicht nehmen“, so der Bürgermeister. Der Schaden am Dach der Friedhofskapelle sei noch nicht beziffert, hoffentlich bleibe er im unteren vierstelligen Bereich.

Gemeinde will neue Glocke – und hofft auf Rückkehr der alten

Für die Gemeinde steht fest, dass es wieder eine Glocke auf der Kapelle geben soll. „Das gehört für uns zum christlichen Glauben dazu, dass bei Begräbnissen Kirchenglocken läuten und auch bei anderen Ereignissen“, sagt König. Man stehe bereits mit einem Glockenbauer in Kontakt. Gleichzeitig hofft die Gemeinde, dass die alte Glocke zurückkehrt. Sie sei gut zu identifizieren. „Wir werden Schrottplätze anschreiben, Schrotthändler“, so König, um informiert zu werden, falls die Glocke irgendwo angeboten wird.

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