Sparpläne: Pharmariesen kürzen Milliardeninvestitionen in Deutschland
Pharmakonzerne stoppen Investitionen in Deutschland

Die Sparpolitik der Bundesregierung im Gesundheitswesen zeigt erste negative Auswirkungen auf den Pharmastandort Deutschland. Gleich zwei große Konzerne haben angekündigt, ihre geplanten Investitionen deutlich zurückzufahren. Grund sind die geplanten Einsparungen im Rahmen der Reform der gesetzlichen Krankenversicherung.

Eli Lilly reduziert Investitionen in Alzey um die Hälfte

Der US-amerikanische Pharmakonzern Eli Lilly will seine ursprünglich geplante Milliardeninvestition in einen neuen Standort in Alzey, Rheinland-Pfalz, drastisch kürzen. Statt der vorgesehenen 2,5 Milliarden US-Dollar (rund 2,16 Milliarden Euro) soll nun nur noch die Hälfte investiert werden. Konzernchef Dave Ricks kritisierte im Gespräch mit dem "Handelsblatt" die aktuelle Gesundheitspolitik in Deutschland. Mit dem geplanten GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz falle die Bundesrepublik bei der Unterstützung der Branche auf den letzten Platz der europäischen Märkte.

Das Unternehmen teilte mit, dass zunächst nur der "Mindestumfang des Hightech-Produktionsstandortes in Alzey" fertiggestellt werden solle. Die ursprünglich ambitionierte Expansion wird somit auf Eis gelegt.

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Boehringer Ingelheim stoppt Investitionen von 900 Millionen Euro

Noch deutlicher sind die Kürzungen beim deutschen Familienunternehmen Boehringer Ingelheim. Der Konzern mit Sitz in Ingelheim bei Mainz setzt geplante Investitionen in Höhe von 900 Millionen Euro für die Jahre 2027 bis 2030 aus. Als Grund nennt das Unternehmen die schwierigen Rahmenbedingungen in Deutschland, insbesondere die Sparpläne der Bundesregierung bei den Gesundheitsausgaben. Diese sehen unter anderem höhere Rabatte vor, die Arzneimittelhersteller den Krankenkassen gewähren müssen.

Boehringer-Deutschlandchef Médard Schoenmaeckers sagte dem "Handelsblatt": "Die nächste Innovation geht nach Lage der Dinge aktuell nicht nach Deutschland. Wir müssen Schritt halten mit der Entwicklung in den USA und Asien." Die gestoppten Investitionen waren vor allem für den Ausbau der Infrastruktur an den deutschen Standorten vorgesehen, darunter neue Laborgebäude.

Druck aus den USA und geopolitische Lage

Neben den Sparplänen der Bundesregierung nennt Boehringer Ingelheim auch die größere Dynamik in anderen Märkten und die geopolitische Lage als Gründe. Insbesondere der wachsende Druck aus den USA spielt eine Rolle. Wie andere Pharmaunternehmen hatte Boehringer Ingelheim ein Abkommen mit der US-Regierung geschlossen, um von Pharmazöllen befreit zu werden. Eine Bedingung dafür ist, in Produktion und Forschung in den USA zu investieren.

Die Entscheidungen der beiden Konzerne sind ein herber Rückschlag für den Pharmastandort Deutschland. Sie zeigen, dass die geplanten Sparmaßnahmen der Bundesregierung bereits jetzt Investitionen abschrecken und die Wettbewerbsfähigkeit des Landes gefährden.

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