Kilian Armando Friedrichs erster Spielfilm „Ich verstehe Ihren Unmut“ entführt die Zuschauer in die düstere Welt des Niedriglohnsektors. Der Film begleitet Heike, eine Objektleiterin einer Münchner Reinigungsfirma, die unermüdlich dafür sorgt, dass alles blitzt und glänzt. Doch Zufriedenheit kennt sie nicht. Die Handkamera folgt ihr auf Schritt und Tritt, während sie ihre Untergebenen mit ruppigem Ton antreibt und selbst Hand anlegt, um zu korrigieren.
Ein Film über Druck und Ausbeutung
Bereits nach wenigen Minuten wird der immense Druck deutlich, unter dem die 59-Jährige steht. Heikes Stress setzt sich im Auto fort, wo sie permanent telefoniert – angetrieben von ihrem Boss, auf der Suche nach Ersatz oder im Gespräch mit Kunden über Staub und Schlieren. Der titelgebende Satz fällt in einem Moment der Verteidigung und des Verständnisses. Friedrich gelingt es, mit quasi-dokumentarischer Direktheit die Unmenschlichkeit des Niedriglohnsektors zu zeigen, unterstützt von einem Laienensemble.
Ein Kommentar zu aktuellen Debatten
Der Film wirkt wie ein Kommentar zu den Diskussionen über angeblich zu wenig arbeitende Deutsche. Hier rackert sich jemand bis zum Umfallen ab, und es reicht trotzdem nicht. Heike zweigt mit einer Kollegin heimlich Reinigungsmittel ab, streckt und verkauft sie. Auch Schwarzarbeit und die prekäre Situation zugewanderter Arbeitskräfte sind ständige Themen. Sabine Thalau verkörpert Heike in ihrer ersten Kinorolle eindringlich – für sie zählen nur Wischkraft und Pünktlichkeit, egal welche Nationalität oder Hautfarbe.
Die private Seite der Protagonistin
Friedrich zeigt Heike nicht nur als Getriebene, sondern auch ihr Herz. Doch all ihre netten Gesten werden durch eine hinterhältige Aktion ausradiert, mit der sie einen Mitarbeiter um seinen Job bringt. Ihr Privatleben kommt nur zögerlich in den Blick: Sie teilt sich die Wohnung mit ihrem arbeitsunfähigen Ex-Partner Detlev (Werner Posselt), der als unsympathischer Gegenpol konstruiert wird. Dies gelingt weniger überzeugend als die Darstellung der Arbeitswelt.
Ein Raum für Selbstermächtigung
Durch Detlev scheint Friedrich Drückeberger im System zeigen zu wollen, doch das ist nicht sein Thema. Nach Detlevs Abgang entsteht ein Raum für Heikes Selbstermächtigung und ihre menschenfreundliche Seite. Dennoch bleibt sie eine Verliererin in den unerbittlichen Mühlen des Spätkapitalismus. Der Film feierte im Februar in der Panorama-Sektion der Berlinale Premiere.



