EU-Verhandlungen: Neue Regeln für Flugverspätungen und Entschädigungen
EU ringt um neue Fluggastrechte bei Verspätungen

Brüssel. Die Europäische Union steht vor entscheidenden Verhandlungen über die künftigen Rechte von Flugpassagieren. Themen wie Entschädigungen bei Verspätungen, kostenloses Handgepäck und der klassische Papier-Boardingpass sorgen für intensive Diskussionen zwischen den EU-Staaten und dem Europaparlament. Die Positionen liegen in zentralen Punkten weit auseinander, und die Zeit für eine Einigung wird knapp. Die heutigen Gespräche könnten sich bis in die späten Nachtstunden hinziehen.

Entschädigungen bei Flugverspätungen: Die aktuellen Vorschläge

Bislang haben Reisende in der EU unter bestimmten Bedingungen Anspruch auf eine Entschädigung, wenn ihr Flug mindestens drei Stunden Verspätung hat. Die EU-Staaten schlagen vor, diese Grenze anzuheben: Seit Juni 2025 fordern sie eine Entschädigung erst ab vier Stunden Verspätung, bei Langstreckenflügen sogar ab sechs Stunden. Zudem sollen die Zahlungen je nach Flugstrecke niedriger ausfallen. Deutschland hat diesen Vorschlag abgelehnt – die Bundesregierung plädiert dafür, die bisherige Drei-Stunden-Grenze beizubehalten und eine pauschale Entschädigung von 300 Euro unabhängig von der Entfernung zu zahlen.

Position des Europaparlaments

Das Europaparlament hingegen will die Rechte der Fluggäste weitgehend erhalten. Ihr Vorschlag vom Januar sieht bei Verspätungen von mindestens drei Stunden oder bei Flugausfällen folgende gestaffelte Entschädigungen vor:

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  • Flüge bis 1500 Kilometer: 250 Euro
  • Flüge zwischen 1500 und 3500 Kilometer: 400 Euro
  • Flüge über 3500 Kilometer: 600 Euro

Diese Staffelung entspricht im Wesentlichen den aktuellen Regelungen, die seit Jahren gelten. Das Parlament lehnt eine Verschlechterung der Passagierrechte ab und betont, dass die Fluggesellschaften ausreichend Spielraum für Ausnahmen hätten.

Kostenloses Handgepäck und Papier-Boardingpässe

Neben den Verspätungsentschädigungen stehen weitere Themen auf der Agenda. So soll das kostenlose Handgepäck als Standardleistung der Airlines festgeschrieben werden. Bislang verlangen viele Fluggesellschaften extra Gebühren für Handgepäck, was bei Verbrauchern auf Kritik stößt. Zudem wird über die Zukunft des Papier-Boardingpasses diskutiert – während einige Staaten auf digitale Lösungen setzen, wollen andere die Papier-Variante als Alternative erhalten.

Zeitdruck und weitere Streitpunkte

Die Verhandlungen stehen unter Zeitdruck, da die EU-Kommission eine Einigung noch vor der Sommerpause anstrebt. Sollte dies nicht gelingen, droht eine Verlängerung des Verfahrens, was zu Unsicherheit bei Reisenden und Airlines führen würde. Weitere strittige Punkte sind die Haftung bei Gepäckverlust und die Rechte von Passagieren mit eingeschränkter Mobilität. Beobachter rechnen mit einem langen Verhandlungsmarathon, bei dem am Ende ein Kompromiss zwischen den Positionen der Staaten und des Parlaments stehen könnte.

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