Blitzer-Panne: Audi wird zum Lkw – Bußgeldbescheid aufgehoben
Blitzer-Panne: Audi fälschlich als Lkw eingestuft

Knöllchen sind ärgerlich, vor allem, wenn die Strafe unangemessen hart ausfällt. Ein aktueller Fall aus Rheinland-Pfalz zeigt erneut, wie es zu einer folgenschweren Verwechslung kommen kann. Im November 2025 war ein Audi-Fahrer auf der A3 bei Heiligenroth zu schnell unterwegs und tappte in eine Radarfalle. Der Fahrer hatte die erlaubte Geschwindigkeit nach Abzug der Toleranz lediglich um 8 km/h überschritten – üblicherweise ein Bagatelldelikt, das meist mit 20 Euro Verwarnungsgeld geahndet wird. Doch dann der Bußgeldhammer: Der Bescheid forderte eine Strafzahlung inklusive Gebühren von 203,50 Euro, zuzüglich eines Punktes in Flensburg.

Fehlerhafte Fahrzeugklassifizierung

Ein genauerer Blick auf den Bescheid offenbart ein Missverständnis: Die Zentrale Bußgeldstelle Rheinland-Pfalz hielt den Audi für einen Lkw. Auf dem „Beweisfoto“ ist hinter dem dunklen Audi ein weißer Brummi zu erkennen, der allerdings offensichtlich die Gegenfahrbahn befährt. Möglicherweise hat das System die Umrisse des Lkw dem Audi zugeordnet – mit drastischen Folgen für den Fahrer. Denn für Lkw gilt auf Autobahnen eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h. Die gemessene Geschwindigkeit von 108 km/h des „Audi-Lkw“ liegt fernab jeglicher Toleranzgrenze.

Der Fahrer ist gegen den Bußgeldbescheid vorgegangen, das Amtsgericht Montabaur hat das betreffende Verfahren im Mai 2026 eingestellt. „Da in Bußgeldbescheiden regelmäßig Fehler passieren, sollten Betroffene sie immer sorgfältig auf Plausibilität prüfen und im Zweifel einen Anwalt hinzuziehen. Wichtig ist, für den Einspruch die Frist von zwei Wochen nach Zustellung des Bescheids einzuhalten“, erklärt Tom Louven, Rechtsanwalt für Verkehrsrecht und Partneranwalt von Geblitzt.de.

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Nicht die erste Lkw-Verwechslung

Es ist nicht der erste Fall dieser Art: Bereits im September 2025 war ein Ford Fiesta irrtümlich für einen Lkw gehalten worden – auf derselben Autobahn und von derselben Bußgeldstelle. Wegen 7 km/h zu schnell drohten dem Fahrer 960 Euro Bußgeld, ein Monat Fahrverbot und zwei Punkte in Flensburg. Auch dieser Ford wurde fälschlicherweise als Lkw eingestuft, vermutlich aufgrund eines Busses auf der Gegenfahrbahn.

Technische Ursache und behördliche Reaktion

Ein Pressesprecher des Polizeipräsidiums Rheinland-Pfalz erklärt zum aktuellen Audi-Fall: „Im betreffenden Fall wurde das Messgerät Vitronic Poliscan FM1 eingesetzt. Das Gerät hat zwar das korrekte Fahrzeug erfasst, diesem jedoch offenbar aufgrund eines sich zeitgleich auf der Gegenfahrbahn befindlichen Lkw den entsprechenden Fahrzeugtyp ‚Lkw‘ zugeordnet.“ Der Hersteller des Blitzers weise auch in den technischen Unterlagen darauf hin, dass es zu solchen fehlerhaften Fahrzeugklassifizierungen kommen könne.

Deshalb prüfe das Auswertepersonal jeden Vorgang zusätzlich manuell, so die Pressestelle. Im vorliegenden Fall wurde der Fehler aber auch bei der nachträglichen Überprüfung offensichtlich nicht erkannt. Folgerichtig sieht die Behörde nun Handlungsbedarf: Die „Prüf- und Qualitätssicherungsprozesse“ sollen erneut beurteilt werden. Eine „Sensibilisierung der Mitarbeitenden“ im Hinblick auf vergleichbare Fälle solle das Risiko derartiger Blitzer-Pannen weiter minimieren, sagt der Sprecher.

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