Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform hat in einer aktuellen Analyse die Zahlungsmoral deutscher Unternehmen untersucht. Trotz der anhaltenden Konjunkturschwäche, hoher Kosten und verhaltener Investitionsbereitschaft zeigen die Ergebnisse, dass die meisten Firmen ihre Rechnungen weiterhin überwiegend pünktlich begleichen. Der branchenübergreifende Zahlungsverzug lag zu Beginn des Jahres 2026 bei 7,7 Tagen und damit auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Dies sei ein robustes Signal in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld, erklärte Creditreform-Chefökonom Patrik-Ludwig Hantzsch.
Stabilität trotz Herausforderungen
„Die Zahlungsmoral der Unternehmen bleibt stabil – das ist in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld zunächst ein robustes Signal“, so Hantzsch. Allerdings warnte der Experte davor, diese Stabilität als Zeichen echter Entspannung zu deuten. Viele Betriebe würden ihre Liquidität zusammenhalten, investierten zu wenig und fragten selten nach Krediten für Investitionen. „Genau diese Investitionen wären aber zwingend notwendig, um den Standort wettbewerbsfähig zu halten“, betonte Hantzsch.
Regionale Unterschiede bei der Zahlungsmoral
Die Analyse von Creditreform zeigt deutliche regionale Unterschiede in der Zahlungsmoral. Die schnellsten Zahler finden sich in Rheinland-Pfalz mit einem Zahlungsverzug von lediglich 6,1 Tagen, gefolgt von Sachsen (6,2 Tage) und Bayern (6,7 Tage). Am längsten lassen sich Unternehmen in Schleswig-Holstein (9,8 Tage), Hamburg (10,0 Tage) und Mecklenburg-Vorpommern (10,9 Tage) Zeit. Letzteres bildet erneut das Schlusslicht im Bundesländervergleich.
Sektorale Unterschiede: Baugewerbe mit schlechtestem Wert
Auch zwischen den Wirtschaftssektoren gibt es teils erhebliche Differenzen. Das Baugewerbe weist mit weitem Abstand den schlechtesten Wert auf: Der Zahlungsverzug stieg hier binnen Jahresfrist von 13,5 auf 15,0 Tage. Deutlich später als der Durchschnitt bezahlen zudem die persönlichen Dienstleister (10,2 Tage) sowie der Sektor Verkehr und Logistik (8,4 Tage). Vergleichsweise gute Werte erzielen der Einzelhandel (6,1 Tage), der Großhandel (5,9 Tage) und der Spitzenreiter Chemie und Kunststoffe mit nur 4,9 Tagen.
Diese Ergebnisse unterstreichen, dass die wirtschaftliche Schwächephase nicht alle Branchen gleichermaßen trifft. Während einige Sektoren ihre Zahlungsdisziplin wahren können, geraten andere zunehmend unter Druck. Creditreform betont, dass die anhaltende Investitionszurückhaltung ein Risiko für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland darstellt.



