Berlin. Der Börsengang von SpaceX steht in dieser Woche an und sorgt für Aufsehen. Das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk geht an die Wall Street und ermöglicht erstmals auch deutschen Kleinanlegern eine direkte Teilnahme an der Zeichnungsphase. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.
Warum können deutsche Privatanleger plötzlich beim IPO mitmachen?
Bislang war es üblich, dass nur institutionelle Anleger wie Fonds oder Großbanken Aktien zum Ausgabepreis zeichnen durften. Bei SpaceX sind jedoch bis zu 30 Prozent der Aktien für Privatanleger reserviert, darunter auch solche aus Deutschland. Interessierte können über Neobroker wie Flatex, Trade Republic oder Revolut sowie über die Deutsche Bank und die ING Aktien zeichnen. Bei Trade Republic endet die Frist am 10. Juni um 19 Uhr, bei den Banken am 11. Juni. Der Ausgabepreis liegt zwischen 135 und 162 US-Dollar je Aktie. Der Handel startet am 12. Juni.
Welche Risiken bestehen für Privatanleger?
Das größte Risiko ist, leer auszugehen. Der IPO gilt bereits als überzeichnet, die Nachfrage übersteigt das Angebot. Die Deutsche Bank warnt, dass Zeichnungsaufträge nicht vollständig berücksichtigt werden können. Zudem kann der Kurs nach dem Start fallen, wenn frühe Investoren Gewinne mitnehmen. Saidi Sulilatu von Finanztip hält SpaceX für überbewertet: „Die Bewertung von rund 1,8 Billionen Dollar liegt beim Drei- bis Vierfachen des Üblichen. Da stecken viele Gewinnfantasien drin.“ Anleger sollten nur Summen zeichnen, die sie auch verlieren können.
In welchen Geschäftsfeldern ist SpaceX aktiv?
SpaceX erzielt Einnahmen aus Raketenstarts für Satelliten, staatliche Raumfahrtmissionen und den Transport von Astronauten. Das Satellitennetzwerk Starlink bietet Internetzugang. Zudem investiert das Unternehmen in das Raumschiff Starship für Mond- und Marsmissionen. Diese Diversifikation macht SpaceX zu einem vielseitigen Raumfahrtkonzern.
Können deutsche Anleger auch über ETFs profitieren?
Ja, und zwar schneller als je zuvor. Dank der neuen „Fast Entry“-Regel der Nasdaq kann SpaceX bereits 15 Tage nach dem Börsengang in den Nasdaq-100-Index aufgenommen werden. Christian Röhl von Scalable Capital schätzt das Gewicht im Index auf etwa ein Prozent. ETFs wie der Invesco Nasdaq 100 ETF müssten dann Milliarden US-Dollar in SpaceX-Aktien allokieren. In anderen Indizes wie dem MSCI World könnte die Gewichtung langsamer steigen. Röhl sieht einen Zielkonflikt zwischen repräsentativer Abbildung und Marktverwerfungen durch Indexkäufe.
Fazit: Chancen und Risiken abwägen
Der SpaceX-IPO bietet deutschen Kleinanlegern eine seltene Gelegenheit, direkt zum Ausgabepreis einzusteigen. Doch die hohe Bewertung und die Unsicherheit über den Kursverlauf bergen Risiken. Wer investiert, sollte langfristig denken und Verluste verkraften können. Die Möglichkeit, über ETFs indirekt zu partizipieren, ist eine Alternative für konservative Anleger.



