Ein peinlicher Rechenfehler im Bundesministerium der Finanzen könnte den Steuerzahler teuer zu stehen kommen. Wie der SPIEGEL erfahren hat, wurden Beamten und Soldaten an 70 Dienstorten im Ausland über Jahre hinweg zu hohe Auslandszuschläge gezahlt. Die Korrektur dieser Überzahlungen soll nun nachträglich erfolgen, was den Staat rund fünf Millionen Euro kosten könnte.
Von Minus zu Plus: Ein folgenschwerer Fehler
Ursprünglich war der Fehler im Jahr 2022 aufgefallen, als die Auslandszuschläge für bestimmte Dienstorte gesenkt werden sollten. Statt einer Kürzung führte eine fehlerhafte Berechnung jedoch zu einer Erhöhung der Zuschläge. In der Folge erhielten die betroffenen Beamten und Soldaten monatlich mehr Geld, als ihnen zustand. Die Differenz summierte sich über die Jahre auf mehrere Millionen Euro.
SPD-Verteidigungsminister Boris Pistorius in der Kritik
Der Fehler fällt in den Zuständigkeitsbereich von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD), da die Auslandszuschläge für Soldaten von seinem Haus verwaltet werden. Pistorius steht bereits wegen anderer Probleme in der Kritik, etwa der mangelnden Einsatzbereitschaft der Bundeswehr. Nun kommt dieser finanzielle Fehler hinzu, der das Vertrauen in die Verwaltungskompetenz des Ministeriums weiter erschüttern könnte.
Wie konnte es zu dem Fehler kommen?
Nach SPIEGEL-Informationen basierte der Rechenfehler auf einer falschen Interpretation der geltenden Rechtslage. Ein Referat im Bundesfinanzministerium hatte die Zuschläge auf Basis einer veralteten Verordnung berechnet, die zwischenzeitlich geändert worden war. Die Korrektur wurde erst nach internen Prüfungen im Jahr 2025 entdeckt.
Reaktionen aus der Politik
Oppositionspolitiker fordern eine lückenlose Aufklärung. Der haushaltspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Christian Haase, bezeichnete den Vorgang als „inakzeptabel“ und verlangte Konsequenzen. Auch der Bund der Steuerzahler kritisierte die Verschwendung von Steuergeldern. Das Bundesfinanzministerium kündigte an, die überzahlten Beträge von den Beamten und Soldaten zurückzufordern, sofern diese nicht bereits verjährt sind.
Was bedeutet das für die Betroffenen?
Für die rund 10.000 betroffenen Beamten und Soldaten könnte die Rückzahlung eine finanzielle Belastung darstellen. Das Ministerium prüft derzeit, ob die Rückforderungen in Raten gezahlt werden können. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums betonte, dass man eine „sozialverträgliche Lösung“ anstrebe.
Fazit: Ein teurer Fehler mit Folgen
Der Rechenfehler bei den Auslandszuschlägen zeigt einmal mehr, dass auch in der öffentlichen Verwaltung Fehler passieren können, die teuer werden. Die fünf Millionen Euro, die der Steuerzahler nun nachzahlen muss, sind ein kleiner Betrag im Vergleich zu den Gesamtausgaben des Bundes, aber sie schüren Zweifel an der Effizienz der Verwaltung. Die Politik ist nun gefordert, die Ursachen zu beheben und ähnliche Fehler in Zukunft zu vermeiden.



