Milliarden für Start-ups: Risikokapital als Wirtschaftsmotor
Milliarden für Start-ups: Risikokapital als Motor

Weg aus der Dauerkrise: Milliarden an Risikokapital als Wachstumstreibstoff

An hoffnungsvollen Start-ups mangelt es in Deutschland nicht, doch ihnen geht nur allzu häufig das Geld aus. Könnte mehr Risikokapital ein Rezept für die Gesundung der deutschen Wirtschaft sein? Diese Frage steht im Mittelpunkt einer neuen Initiative.

Die kleine Szene der Risikoinvestoren in Deutschland umwirbt mit Rückendeckung der Bundesregierung die großen Platzhirsche auf dem Finanzmarkt. Mit fünfzehn Milliarden Euro jährlichen Risikokapitals für vielversprechende Start-ups könnte das Wirtschaftswachstum in Deutschland nach jahrelanger Stagnation wieder in Schwung kommen, argumentieren die 24 Fonds und Investoren in einem Strategiepapier. Dieses wurde am heutigen Montag im Beisein von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) beim Investorenkongress „Super Return“ in Berlin vorgestellt. Hauptadressaten sind große Vermögensverwalter und Kapitalanleger.

Die 24 Fonds haben sich als „German Venture and Growth Forum“ (Deutsches Wagnis- und Wachstumsforum) zusammengeschlossen. Sie verweisen auf das Beispiel der USA, deren Wirtschaftswachstum das in der EU in den vergangenen 25 Jahren weit hinter sich gelassen hat. Etliche der heute immens hoch bewerteten und profitablen US-Techkonzerne sind aus Start-ups hervorgegangen, die in ihren Anfangsjahren von Risikokapitalgebern profitierten.

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Hauptargument: Ohne Risikokapital kein Wachstum

„Die wachsende Wirtschaftslücke zwischen den USA und Europa geht zu einem großen Teil auf den Mangel an Wachstumskapital zurück“, argumentiert Tech-Investor Alexander Kudlich. Die 24 Fonds verweisen auf Schätzungen, denen zufolge Start-ups in Europa Millionen Arbeitsplätze schaffen und eine Kapitalisierung von über drei Billionen Dollar erreichen könnten, sofern ausreichend Kapital bereitstünde. Denn ohne Geld wird aus einem Start-up keine große Firma.

Die Initiative zielt auf ein seit Jahren bekanntes, aber bislang ungelöstes Problem: In Deutschland stehen für Start-ups in der Gründungsphase häufig staatliche Fördermittel zur Verfügung. Doch dauert es auch bei vielversprechenden Jungunternehmen mit innovativer Technologie oft viele Jahre, bis sie Gewinne erwirtschaften. In der Zwischenzeit sind die Firmen auf externe Investoren angewiesen, die die Verlustphase überbrücken.

An diesem Typ von Geldgebern fehlt es in Deutschland nach wie vor, lediglich Rüstungs-Start-ups finden derzeit mühelos Investoren. Banken kommen als Kreditgeber üblicherweise nicht in Frage, weil die Institute Geld nur an gesunde Unternehmen verleihen und keine übermäßigen Risiken eingehen dürfen. „In allen Wachstumsphasen schnell skalierender Tech-Firmen mangelt es an Finanzmitteln“, schreibt Martin Blessing, der frühere Commerzbank-Chef und heutige Investitionsbeauftragte von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in dem Papier.

Die Zielgruppe hat genügend Kapital

Das zielt auf die großen Vermögensverwalter in Europa, von denen etliche Bankkonzernen und Versicherungen gehören. Anders als Banken vergeben Vermögensverwalter keine Darlehen, sondern legen die Gelder ihrer Kunden in Anleihen aller Art, Aktien und sonstigen Papieren an. Eine europäische Großmacht auf diesem Feld ist die Allianz, deren zwei Investmentgesellschaften Ende des ersten Quartals über zwei Billionen Euro Kundengelder betreuten. Das Hindernis: Vermögensverwalter sind vorsichtig in der Geldanlage, Risikokapital zählt daher bislang nicht zu den Kerngeschäften.

Die Initiative könnte einen Wendepunkt markieren, wenn es gelingt, die großen Vermögensverwalter für mehr Risikokapital zu gewinnen. Die Bundesregierung unterstützt das Vorhaben, um die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu stärken.

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