Lidl-Reederei Tailwind: Erstes Schiff unter deutscher Flagge mit Heimathafen Heilbronn
Lidl-Reederei: Erstes Schiff unter deutscher Flagge

Die Tailwind Shipping Lines, die Reederei des Einzelhändlers Lidl, hat ein erstes Containerschiff auf die Deutsche Flagge umgeflaggt. Die Panda 001 ist damit das erste Seeschiff mit dem Heimathafen Heilbronn. Das 276 Meter lange Schiff Panda 001 mit einer Kapazität von 5527 TEU (20-Fuß-Container) fuhr bisher unter portugiesischer Flagge auf der Linie zwischen China und Barcelona.

Bekenntnis zum Standort Deutschland

Für Lidl ist das auch ein Bekenntnis zum Standort. Das Renommee der Deutschen Flagge beruhe auf ihrem Status als staatliche Institution, sagt Joachim Hillger, der bei Tailwind Shipping Lines die Bereiche Finanzen und Verwaltung leitet. „Weltweit verkörpern sowohl die Flagge als auch wir als Reederei im Herzen Europas Qualität, Verlässlichkeit und Resilienz“, sagt er.

Bei dem einen Schiff soll es deshalb nicht bleiben. Bis Mitte des Jahres 2028 will die Lidl-Reederei alle ihre eigenen Schiffe umflaggen. Die fünf neuen Schiffe, die Tailwind zurzeit bauen lässt, sollen direkt unter deutscher Flagge in Dienst gehen.

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Eigene Reederei zur Absicherung der Lieferkette

Unter dem Eindruck der Lieferengpässe während der Coronapandemie hatte sich Lidl 2022 entschlossen, eine eigene Reederei zu gründen. Zurzeit hat der Discounter zwei eigene Schiffe und neun weitere gechartert. Er will damit unabhängig von den großen Reedereien Waren aus China und Bangladesch in seine etwa 12.000 Läden in Europa bringen.

Dafür betreibt Lidl sowohl einen Intra-Asien-Dienst als auch eine Verbindung von China nach Europa sowie eine Linie zwischen Moerdijk in den Niederlanden und Barcelona. Um die Filialen in den osteuropäischen Ländern zu beliefern, setzt der Logistiker ergänzend zweimal täglich eigene Züge zwischen dem Hafen Koper in Slowenien und dem Cargo-Terminal Graz in Österreich ein.

Lidl als einziger deutscher Händler mit eigener Reederei

Lidl ist der einzige deutsche Händler, der eine eigene Reederei betreibt. Tailwind setzt bisher neun Schiffe ein, die zwischen 1200 und 6800 Standardcontainer fassen. Wer die Kapazität der fünf neuen Schiffe dazurechnet, kommt auf eine Gesamtkapazität von fast 80.000 TEU. Damit läge Tailwind unter den Top 30 der größten Reedereien der Welt.

„Als Marktführer im europäischen Lebensmittelhandel tätigt die Schwarz Group hier eine strategische Investition, die dem Unternehmen langfristig zugutekommen wird“, sagt Boris Planer, Handelsexperte und Berater des World Retail Congress.

Vorteile der Umflaggung

Tailwind verspricht sich einige Vorteile von der Umflaggung. So habe die Deutsche Flagge beispielsweise 225 Auslandsvertretungen, die sich weltweit für die Belange der Schiffsführer und der Besatzungen einsetze, teilte die Reederei mit. Dazu kämen umfassende soziale Absicherung der Schiffsbesatzungen, sowie ein klarer Rechtsrahmen, Gesundheitsfürsorge und ein praxisnaher Arbeitsschutz.

Beigetragen zu der Entscheidung habe aber auch, dass der Staat die Organisation der deutschen Flagge in den vergangenen Jahren deutlich reformiert habe. „Unterschiedliche Services wurden an einer Stelle zusammengeführt und die Abstimmungswege vereinfacht“, sagt Tailwind-Manager Hillger.

Außerdem bietet der Staat Anreize für die Reedereien, auf die deutsche Flagge zu wechseln. So gibt es Zuschüsse zu den Lohnnebenkosten und eine finanzielle Förderung von Ausbildungsplätzen.

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