Bahn-Chefin Palla: Kein Grund für Euphorie bei Kunden
Bahn-Chefin Palla: Kein Grund für Euphorie

Bahn-Chefin Palla: Kein Grund für Euphorie bei Kunden

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

Neun Monate nach ihrem Amtsantritt als Chefin der Deutschen Bahn zieht Evelyn Palla Bilanz: Dem Konzern geht es besser, den Kundinnen und Kunden jedoch nicht. Diese Diskrepanz prägt die aktuelle Lage des Staatsunternehmens. Palla scheint nicht nur die Schwächen der Bahn mit deutlichen Worten zu benennen, sondern auch die wirtschaftlichen Probleme in hohem Tempo zu beheben.

Im großen Handelsblatt-Interview erklärte sie: „Wir wollen bereits in diesem Jahr sehr nah ran an die schwarze Null und werden das auch schaffen.“ Angesichts eines Nettoverlusts von 2,3 Milliarden Euro im vergangenen Jahr wäre dies eine beachtliche Leistung. Allerdings haben die Fahrgäste davon bisher wenig gespürt. Bei sämtlichen operativen Problemen vermeidet Palla kurzfristige Versprechungen. Nicht einmal die Aussage, dass der desolate Fernverkehr den Tiefpunkt erreicht habe, will sie treffen. Sie erinnert daran, dass die Bahn in den letzten fünf Jahren immer wieder die Talsohle ausgerufen habe, diese jedoch nie erreicht worden sei.

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Diese Zurückhaltung gilt auch für das Großprojekt Stuttgart 21. Der neue Hauptbahnhof sollte ursprünglich 2019 eröffnet werden. Doch nun berichten Kollegen der FAZ, dass vor Ende 2031 in Stuttgart nichts Nennenswertes passieren werde. Stattdessen nutzt Palla das mögliche Aufkommen eines Konkurrenten, um vor einer weiteren Verschlechterung zu warnen. Der italienische Bahnbetreiber Italo hat sich um Trassen auf den Strecken Dortmund – München und Berlin – München beworben. Dazu sagt Palla: „In Deutschland ist das Netz einfach voll.“ Ein Markteintritt Italos wäre „kein gutes Szenario, weil das für die meisten Menschen eine Verschlechterung darstellt.“

Die Bilanz nach neun Monaten ist somit gemischt: Wirtschaftlich geht es aufwärts, doch die Kunden warten weiterhin auf Verbesserungen. Palla setzt auf Realismus statt auf große Versprechen – ein Ansatz, der sowohl Risiken als auch Chancen birgt.

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