Stromausfälle in Berlin: Wie sicher ist das Netz wirklich?
Stromausfälle in Berlin: Wie sicher ist das Netz?

Stromausfälle in Berlin: Wie sicher ist das Netz wirklich?

Seit den beiden Brandanschlägen auf die Strominfrastruktur in Treptow-Köpenick und Lichterfelde ist die Stromversorgung in Berlin in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Die Sorge vor einem weiteren langen Ausfall ist groß – aber ist sie auch berechtigt? Ein Blick auf die Fakten zeigt: Trotz der spektakulären Vorfälle ist die Versorgungssicherheit in der Hauptstadt hoch.

Zwei schwere Anschläge prägen das Bild

Die beiden Vorfälle haben sich tief ins Gedächtnis der Berliner eingebrannt. Fast 100.000 Haushalte waren beim Ausfall im Südwesten der Stadt betroffen. Im Januar standen bei eisigen Temperaturen Tausende ohne Heizung da. In Treptow-Köpenick mussten viele Haushalte rund 60 Stunden ohne Strom auskommen, in Lichterfelde sogar rund 100 Stunden. Glücklicherweise sind solche Krisen außergewöhnlich selten.

Durchschnittlich 4,4 Störungen pro Tag

Obwohl die Anschläge für Aufsehen sorgen, kann von einer ungewöhnlichen Häufung von Störungen nicht die Rede sein. In den ersten vier Monaten des Jahres verzeichnete Stromnetz Berlin 529 Störungen – 16 weniger als im Vorjahreszeitraum. Das entspricht einem Durchschnitt von 4,4 Störungen pro Tag. Angesichts von 36.000 Kilometern Hoch-, Mittel- und Niederspannungskabel – dem größten städtischen Stromnetz Europas – ist das ein beachtlicher Wert.

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Die Arbeit der Leitstelle

Jede Störung wird in der Leitstelle des Netzbetreibers erfasst. Im Idealfall kann die Versorgung durch Umschaltung auf andere Leitungen innerhalb weniger Minuten wiederhergestellt werden. Das Qualitätsziel von Stromnetz Berlin ist es, dass der Strom innerhalb von zwei Stunden wieder fließt. „Wenn dann der Bagger anrollt, um das Kabel zu reparieren, ist der Ausfall in der Regel längst behoben“, erklärt Netzingenieur Andreas Hoffmann.

Die häufigste Ursache: Bauarbeiten

Laut Stromnetz-Sprecher Henrik Beuster sind Baustellen der häufigste Grund für Störungen. Nicht immer wird ein Kabel sofort durch Baggerschaufeln zerstört. Eine leichte Beschädigung der Kabelumhüllung kann ausreichen, dass über Monate oder Jahre Wasser eindringt, bis es zum Schaden kommt. Auch Baumwurzeln können Mittelspannungskabel zerdrücken, was jedoch selten vorkommt. Häufiger sind Beschädigungen durch Erdnägel oder das Aufstellen von Plakatwänden. Mittelspannungskabel mit bis zu 10.000 Volt liegen in der Regel 80 bis 100 Zentimeter tief in der Erde. Wird ein solches Kabel beschädigt, sind schnell 1000 bis 2000 Haushalte betroffen.

Berlin im bundesweiten Vergleich

Berliner Haushalte mussten im vergangenen Jahr im Schnitt weniger als acht Minuten ohne Strom auskommen – der dritte Rückgang in Folge. Bundesweit waren es 2024 durchschnittlich 11,7 Minuten. Die beiden Brandanschläge werden in dieser Statistik nicht berücksichtigt, da es sich um kriminelle Ausreißer handelt.

Investitionen in die Sicherheit

Stromnetz Berlin investiert in diesem Jahr einen zweistelligen Millionenbetrag in Sicherheitstechnik und Wachschutz, um weitere Angriffe zu verhindern. „100-prozentige Sicherheit gibt es nicht“, sagt Geschäftsführer Erik Landeck. „Dennoch tun wir das technisch und Menschenmögliche.“ Dazu gehören Kameras, Sensoren und höhere Zäune mit Stacheldraht. Zudem sollen bis in die 2030er Jahre alle Stromkabel unterirdisch verlegt werden – bereits jetzt sind es 99 Prozent. Kritik gibt es an fehlenden georedundanten Leitungen, also Kabeln mit gleicher Funktion an anderen Standorten. Landeck betont, dass an den Anschlagsorten bereits an Redundanzen gearbeitet wurde, sodass die Auswirkungen eines erneuten Angriffs geringer wären. Er kritisiert auch den offenen Umgang mit Daten: Die Täter hätten sich im Internet über wichtige Leitungen informieren können.

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