Das Bundeskabinett will heute das Aktionsprogramm zur nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie beschließen. Ziel ist es, Rohstoffe länger im Kreislauf zu halten, Produkte zu reparieren und zu recyceln statt wegzuwerfen. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) betont in der ntv-Sendung Frühstart die großen Chancen für Deutschland.
Digitaler Produktpass erleichtert Recycling
Um das Recyceln für Bürger einfacher zu machen, wird ein digitaler Produktpass eingeführt. Dieser gibt Auskunft über Herkunft, Reparaturmöglichkeiten und Recycling. „Sie werden Produkte öfter wiederverwenden und reparieren können“, kündigt Schneider an. Eine eigene Plattform mit KI-Modellen soll helfen, Reparaturen durchzuführen. Repaircafés werden unterstützt, wo Menschen Hilfe bei der Reparatur und Ersatzteilbestellung erhalten. „Nicht Neues kaufen, sondern das Alte reparieren“, so der Minister.
Textilhändler in der Pflicht
Der Aktionsplan verpflichtet Modehersteller, die Entsorgung ihrer Produkte zu dokumentieren und deren Verwertung nachzuweisen. „Sie dürfen Produkte nicht einfach verbrennen“, sagt Schneider. Onlinehändler, die unverkaufte Ware vernichten, wird dies künftig verboten. „Billig herstellen und entsorgen wird nicht mehr gehen“, betont er. Langlebige Produkte und Zweitverwertung stehen im Fokus.
Unabhängigkeit von Rohstoffimporten
Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft ist für Schneider nicht nur Umweltschutz, sondern auch strategisch wichtig. „Jedes Produkt besteht aus Rohstoffen, und sie einfach zu verbrennen, ist absurd“, erklärt er. Durch Recycling könne Deutschland unabhängiger von Ölimporten werden, da Öl Grundstoff für Plastik ist. „Indem wir es immer wiederverwenden, machen wir uns unabhängiger von autoritären Regimen“. Der Aktionsplan schließt Lieferketten und stellt Rohstoffe aus Autos wieder zur Verfügung. „Die Kosten sind höher, aber dafür gibt es mehr Unabhängigkeit“, so Schneider. Bei gleichem gesetzlichen Rahmen rechne sich das auch betriebswirtschaftlich.
Exportchancen für deutsche Recyclingtechnologie
Deutschland ist bereits Vorreiter bei Recyclingtechnologien. Der Aktionsplan soll das Exportpotenzial steigern. „Im Recycling sind wir Weltmeister“, sagt Schneider. Deutsche Unternehmen haben die meisten Patente und haben den Recyclingmarkt aufgebaut. Bei einer Reise nach Mexiko sah er, dass dort nur Deponierung statt Verwertung stattfindet. „Da kommen deutsche Unternehmen ins Spiel. Wenn wir weltweit diesen Markt aufbauen, haben wir große Exportchancen und neue Jobs“, so der Minister.



