An der Wall Street war zum Wochenbeginn viel Bewegung zu beobachten. Die Anleger hatten alle Hände voll zu tun, während die US-iranischen Friedensgespräche für Schlagzeilen sorgten. Einzig der Halbleitersektor präsentierte sich als verlässlicher Stabilitätsanker und punktete kräftig. Gold hingegen verbilligte sich spürbar.
Nahost-Konflikt belastet und entlastet
Die Nachrichten aus dem Nahen Osten bestimmten erneut den Handel an der Wall Street. Nach neuen Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran am Wochenende belastete ein Bericht der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim die Stimmung. Darin hieß es, der Iran habe die Gespräche mit den USA aus Protest gegen israelische Angriffe im Libanon ausgesetzt. US-Präsident Donald Trump beruhigte die Märkte jedoch mit der Mitteilung, dass Israel und die von Iran unterstützte Hisbollah einer Einstellung der Kampfhandlungen zugestimmt hätten. Die Gespräche mit dem Iran seien wieder aufgenommen worden. In der Folge erholten sich die US-Börsen von ihren Tagestiefs und markierten neue Allzeithochs.
Der Dow-Jones-Index stieg um 0,1 Prozent auf 51.079 Punkte. Der S&P-500 gewann 0,3 Prozent auf knapp 7.600 Zähler, der Nasdaq-Composite legte um 0,4 Prozent auf 27.087 Punkte zu. An der New Yorker Börse gab es nach ersten Zählungen 1.328 Kursgewinner (Freitag: 1.160) und 1.451 Kursverlierer (1.614). 46 Titel schlossen unverändert (58).
Marktanalyst Jim Reid von der Deutschen Bank kommentierte: „Ob der Juni die positive Entwicklung aus dem Mai fortsetzt, wird sicherlich davon abhängen, ob sich die Hoffnungen auf ein US-Iran-Abkommen erfüllen. Wir waren einem Abkommen noch nie so nah, aber möglicherweise auch noch nie so nah daran, dass alles scheitert, da vereinzelte Angriffe immer häufiger werden – auch wieder am Wochenende.“
Nvidia beflügelt Dell und Microsoft
Im Fokus stand erneut der Halbleiter- und Softwaresektor. Die Aktie von Nvidia kletterte um 6,3 Prozent. Der KI-Vorreiter hatte auf der Computex-Konferenz in Taiwan seinen neuen Superchip vorgestellt, den das Unternehmen als den „effizientesten jemals gebauten PC-Chip“ bezeichnete. Der Chip soll in Rechnern zum Einsatz kommen, die KI-Agenten betreiben.
Davon profitierten auch Unternehmen, die den neuen Nvidia-Chip in ihren Laptops verbauen werden. Dell Technologies gewannen nach einem Kurssprung von rund 33 Prozent am Freitag weitere 10,8 Prozent. Microsoft verbesserten sich um 2,3 Prozent. Aktien von Nvidia-Wettbewerbern gaben hingegen nach: Intel verbilligte sich um 4,7 Prozent, Advanced Micro Devices (AMD) um 1,2 Prozent und Qualcomm büßte 8,8 Prozent ein. Letzterer hatte in den vergangenen Jahren einen Vorstoß ins PC-Geschäft unternommen.
Software-Titel waren ebenfalls gefragt, gestützt von Aussagen von Nvidia-CEO Jensen Huang. Er erwähnte ausdrücklich Unternehmen wie Cadence Design Systems (plus 10,5 Prozent), Crowdstrike (plus 7 Prozent), Palantir (plus 2,6 Prozent) und ServiceNow (plus 9,3 Prozent). Er trat damit Befürchtungen entgegen, dass KI deren Geschäft kannibalisieren könnte.
Übernahmen und Rohstoffmärkte
Die Aktie von Taylor Morrison Home sprang um rund 22,3 Prozent nach oben, nachdem Berkshire Hathaway das auf Eigenheime spezialisierte Bauunternehmen übernehmen will.
Der Ölpreis zog infolge der Nahost-Nachrichten wieder an. Das Ausbleiben eines Durchbruchs in den Verhandlungen, erneute militärische Zwischenfälle und die anhaltende Blockade der Straße von Hormus trieben die Erdölpreise nach oben. Sie kamen jedoch von ihren Tageshochs zurück, nachdem Trump Israel im Libanon zurückgepfiffen hatte. Die Verhandlungen mit dem Iran sollen laut Trump wieder aufgenommen werden. Brent-Öl verteuerte sich um 4,4 Prozent je Fass.
Die gestiegenen Ölpreise schürten Inflationssorgen, weshalb die Renditen am Anleihemarkt anzogen. Im Zehnjahresbereich stiegen sie um 2 Basispunkte auf 4,47 Prozent. Gestützt wurden die Spekulationen auf steigende Leitzinsen auch durch starke Konjunkturdaten: Der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe und die Bauausgaben für April überraschten positiv. Davon profitierte der Dollar – der Dollarindex stieg um 0,3 Prozent. Höhere Marktzinsen belasteten den Goldpreis, der um 1,2 Prozent sank.
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