TSV 1860 München: Scherbenhaufen nach Absturz – Wie geht es weiter?
TSV 1860 München: Scherbenhaufen nach Absturz

Fassungslosigkeit herrscht beim TSV 1860 München. Nach einem heftigen Zoff mit ihrem Investor Hasan Ismaik stürzen die „Löwen“ in die Regionalliga ab. Eine Aufbruchstimmung wie beim letzten Zwangsabstieg im Jahr 2017 gibt es diesmal nicht. Die Fans kochten vor Wut, forderten den Rücktritt der Verantwortlichen und schwenkten dann in Trauer um.

Der schwarze Mittwoch: Lizenzverweigerung und Absturz

Am schwarzen Mittwoch verweigerte Investor Ismaik die Zahlung der fälligen Summe, die der Verein benötigt hätte, um seine Zahlungsfähigkeit für die Drittliga-Lizenz nachzuweisen. Bis 17 Uhr hätte der TSV 1860 dem DFB die finanzielle Deckung vorlegen müssen. Eine Einigung mit Ismaik scheiterte. Präsident Gernot Mang, der seinen Türkei-Urlaub unterbrach, sprach von einer „sehr, sehr enttäuschenden“ Entwicklung. Ismaik hingegen betonte: „Dieser Verein ist größer als eine einzelne Saison und größer als jede Krise.“ Doch anders als nach dem Absturz 2017 herrscht keine Aufbruchstimmung.

Vergleich zum schwarzen Freitag 2017

Im Juni 2017, nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga, verweigerte Ismaik ebenfalls die Zahlung von rund zehn Millionen Euro für die Drittliga-Lizenz. Damals war die Stimmung jedoch anders: Die Löwen verabschiedeten sich aus der verhassten Allianz Arena und kehrten ins Grünwalder Stadion zurück. „Wenn du krank bist, wirst du daheim am schnellsten gesund“, sagte Stadionsprecher Stefan Schneider. Die zweite Mannschaft war in der Regionalliga Zweiter geworden und schaffte unter Trainer Bierofka mit Spielern wie Mölders und Mauersberger den sofortigen Aufstieg. Diesmal fehlt ein positiver Impuls völlig.

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Die letzten Verhandlungen und das Scheitern

Bis zuletzt wurde hektisch verhandelt. Nachdem Ismaik Ende Mai Darlehensverträge gekündigt und Forderungen gestellt hatte, die der Stammverein aus juristischen und wirtschaftlichen Gründen nicht akzeptieren konnte, fehlten letztlich 2,7 Millionen Euro. Zwei Vertragswerke lagen vor – eines für den e.V., eines für die HAM-Seite –, aber eine Einigung scheiterte. Präsident Mang zeigte sich überrascht: „Fakt ist, dass wir komplett überrascht wurden, dass die Darlehen gekündigt wurden. Das kam wirklich aus der Hüfte geschossen.“

Ismaiks Sicht und Zukunft

Ismaik, der seit 2011 bei den Löwen engagiert ist und nach eigenen Angaben fast 80 Millionen Euro investiert hat, will eigentlich verkaufen. Ein Deal mit einem Schweizer Unternehmer platzte 2025, zuletzt zeigte Thomas Hitzlsperger Interesse. Ismaik äußerte „große Traurigkeit“ und hofft, dass dieser Moment der Ausgangspunkt für eine ehrliche Bestandsaufnahme und eine bessere Zukunft wird. Er hält 60 Prozent der Kommanditgesellschafts-Anteile.

Auswirkungen auf die 3. Liga und Regionalliga

Durch den Abstieg der Löwen wird ein Platz in der 3. Liga frei. Der TSV Havelse als bestplatzierter Absteiger hat Anspruch darauf und bereits Lizenzunterlagen eingereicht. Der Bayerische Fußball-Verband verweist auf die Entscheidung des DFB. Die Löwen haben bereits die Zulassung für die Regionalliga Bayern erhalten; sollte der TSV antreten, würde die Liga mit 19 statt 18 Vereinen starten.

Finanzielle und personelle Zukunft

Der Verein will in der Regionalliga starten, doch die Finanzierung ist ungewiss. Ismaik muss seinen Anteil von rund einer Million Euro leisten, sonst droht der KGaA die Insolvenz. Hauptsponsor „Die Bayerische“ hat bereits sein Sonderkündigungsrecht genutzt, was eine wichtige Einnahmequelle wegbrechen lässt. Die Geschäftsführung arbeitet mit Insolvenzrechtsexperten zusammen, um den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten und eine Perspektive zu entwickeln.

Der Kader wird sich drastisch ändern: Nur acht Spieler haben Verträge für die Regionalliga. Namen wie Kevin Volland, Florian Niederlechner und Toptorschütze Sigurd Haugen werden den Verein verlassen. Die U21, die die Saison in der 5. Liga als Spitzenreiter abschloss, könnte als Gerüst dienen. Trainer Alper Kayabunar wird als Nachfolger von Markus Kauczinski gehandelt, falls dieser nicht in die Viertklassigkeit gehen will.

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