Stellantis stärkt Produktion in Frankreich mit Milliardeninvestition
Der Autobauer Stellantis hat angekündigt, eine Milliarde Euro in Frankreich zu investieren. Konzernchef Antonio Filosa gab dies am Dienstag im Werk Mulhouse im Elsass bekannt. Dort sollen künftig drei neue Elektro- und Hybridmodelle von Peugeot im Kleinwagensegment produziert werden. Dieses Segment ist für den Konzern in Europa von zentraler Bedeutung: Es macht rund 30 Prozent der Verkäufe in der Region aus. „Wir sind sehr froh, in Frankreich zu investieren, und das werden wir auch fortführen“, sagte Filosa.
Forschung und Entwicklung der Plattform STLA One
Rund 500 Millionen Euro sollen in die Forschung und Entwicklung der neuen modularen Plattform „STLA One“ in Frankreich fließen. Auf dieser Plattform will Stellantis künftig sowohl Verbrenner als auch Elektroautos bauen. Die Architektur soll eine breite Modellpalette tragen – von Kleinwagen wie dem Opel Corsa über Kompaktmodelle wie den Peugeot 308 bis zu Mittelklassefahrzeugen wie dem Opel Grandland. Mit der neuen Architektur strebt Stellantis eine Kostensenkung um 20 Prozent an. Bis 2030 soll die Hälfte aller verkauften Fahrzeuge auf nur noch drei zentralen Grundarchitekturen basieren.
Peugeot als Vorreitermarke
Peugeot wird zur Vorreitermarke der neuen Strategie. Nach Informationen aus dem Konzern soll 2027 in Spanien der neue Peugeot 208 als erstes Modell auf „STLA One“ anlaufen. Damit unterstreicht Stellantis die Rolle von Peugeot als eine von vier globalen Kernmarken des Konzerns – neben Fiat, Jeep und Ram.
Klares Signal an Italien
Stellantis bezeichnet Frankreich als „Schlüsselmarkt“ seiner Strategie. Dies sendet auch ein Signal an die Standorte in Italien. Seit Jahren konkurrieren die Werke beider Länder um Investitionen aus dem Konzern, zuletzt hat sich der Verteilungskampf weiter verschärft. Filosa hatte im Mai angekündigt, die Produktionskapazität in Europa um 800.000 auf 3,85 Millionen Fahrzeuge zu senken.
Politische Unterstützung in Frankreich
Wie wichtig die Ankündigung für Frankreich ist, zeigte auch die politische Begleitung in Mulhouse: Neben Industrieminister Sébastien Martin reiste auch Wirtschafts- und Finanzminister Roland Lescure an. „Das ist ein guter Tag für die Industrie in Frankreich“, sagte Lescure. Bereits in der vergangenen Woche hatte Präsident Emmanuel Macron erklärt, Stellantis wolle ab 2029 eine „neue Generation von Elektrofahrzeugen“ in Frankreich produzieren.
Perspektiven für französische Standorte
In den italienischen Werken werden die Entwicklungen in Frankreich genau verfolgt. Zur Zukunft der Standorte dort hat sich das Management bislang kaum geäußert. Nach Angaben von Gewerkschaften sind die sechs Fabriken in Italien derzeit nur zu rund 30 Prozent ausgelastet. Immerhin soll in der Stadt Pomigliano ein elektrischer Kleinstwagen gebaut werden. Filosa ist selbst gebürtiger Italiener. Für Frankreich zeichnen sich dagegen bereits weitere Perspektiven ab: In Rennes prüft Stellantis gemeinsam mit dem chinesischen Partner Dongfeng den Bau eines Elektromodells, in Poissy bei Paris sollen künftig Komponenten gefertigt werden.
Auswirkungen auf das Werk Mulhouse
Auch Mulhouse selbst dürfte von den neuen Modellen profitieren. Nach Daten des Dienstleisters Marklines liefen dort im vergangenen Jahr nur rund 130.000 Pkw vom Band – bei einer möglichen Kapazität von 300.000 Fahrzeugen. Bislang werden in dem Werk die Modelle Peugeot 308, 408 und DS7 gebaut.
Strategische Neuausrichtung des Konzerns
Die Investition ist Teil einer größeren Neuaufstellung. Stellantis steckt in einer tiefen Krise, Filosa will mit der Mitte Mai vorgestellten Strategie gegensteuern. Der Konzern setzt dabei auf einheitlichere Plattformen, mehr Kooperationen – vor allem mit chinesischen Autobauern – und auf gezieltere Investitionen in Kernmarken wie Peugeot. Anders als sein Vorgänger setzt Filosa dabei wieder stärker auf Pkw mit Verbrennungsmotor. Zugleich will Stellantis den Elektroautoanteil in Europa bis 2030 verdreifachen – insbesondere im Einstiegssegment. Aus Konzernsicht braucht der europäische Markt vor allem günstigere E-Autos, um den alten Fahrzeugbestand zu ersetzen. Zudem sind die E-Autoverkäufe in Europa insgesamt vor dem Hintergrund der Krise durch den Krieg im Nahen und Mittleren Osten um etwa ein Drittel gestiegen.
Filosas Besuch als Signal an die Belegschaft
Dass Filosa persönlich nach Mulhouse reiste, dürfte auch der Belegschaft gelten. Viele Mitarbeiter hatten seinen Strategieplan mit Skepsis aufgenommen, weil er im Mai einen stärkeren Fokus auf Nordamerika und in Europa mehr Kooperationen mit chinesischen Herstellern angekündigt hatte. Der Besuch in Frankreich sollte nun zeigen, dass Europa im Umbau des Konzerns dennoch eine zentrale Rolle spielt.



