Der ehemalige Weltranglistenerste im Golf, Martin Kaymer, hat offenbart, dass er über einen Zeitraum von vier Jahren stark unter gesundheitlichen Beschwerden litt. Um dennoch an Turnieren teilnehmen zu können, griff der 39-Jährige zu extrem hohen Dosen von Schmerzmitteln. Im Interview mit dem Sender Sky erklärte Kaymer, dass er zeitweise bis zu 3500 Milligramm Ibuprofen pro Tag eingenommen habe. Die empfohlene Tageshöchstdosis für Erwachsene liegt bei 2400 Milligramm. In Deutschland sind Tabletten mit bis zu 400 Milligramm Wirkstoff frei verkäuflich; höhere Dosierungen sind verschreibungspflichtig.
Schmerzmittel als einzige Lösung
Kaymer beschrieb seine Situation als äußerst belastend: „Ich habe teilweise vier, fünf Turniere gespielt, ohne jegliches Training, sondern nur die Turnierrunden. Ich habe mich dann mit Schmerzmitteln zugeballert, um die Turniere zu spielen.“ Die Tage ohne Wettkampfrunden nutzte er zur Erholung von dem hohen Medikamentenkonsum. „Und wenn du das vier, fünf Tage in Folge nimmst, war ich immer froh, wenn Montag, Dienstag war, wo der Körper wieder ein bisschen relaxen kann“, fügte er hinzu. Die ständige Einnahme der Schmerzmittel führte auch zu einer Beeinträchtigung seines Spiels. „Klar macht man sich Gedanken darüber, wie lange kannst du das noch machen. Und dann machst du natürlich viele Fehler“, so Kaymer.
Karriere und aktuelle Situation
Der gebürtige Düsseldorfer feierte seine größten Erfolge mit dem Sieg der PGA Championship im Jahr 2010 und dem Gewinn der US Open 2014. Zwischenzeitlich stand er an der Spitze der Weltrangliste. Seit 2022 spielt Kaymer auf der von Saudi-Arabien finanzierten LIV Tour, deren Turniere nicht für die Weltrangliste zählen. Aktuell wird er auf Rang 735 geführt. In letzter Zeit zeigte seine Form jedoch wieder nach oben: Bei der PGA Championship belegte er den 35. Platz und konnte das Turnier schmerzfrei bestreiten. „Gesundheitlich ist inzwischen wieder alles in Ordnung“, sagte Kaymer. Die vergangenen vier Jahre seien frustrierend gewesen, mit vielen Höhen und Tiefen.
Risiken von Schmerzmittelmissbrauch im Sport
Kaymers Fall ist kein Einzelfall. Auch im Breitensport greifen viele Athleten vor Wettkämpfen oder hartem Training zu Schmerzmitteln. Dabei werden die beträchtlichen Risiken oft ausgeblendet. Eine Studie zeigt, dass Schmerzmittel im Handball weiterhin stark konsumiert werden. Die Einnahme von Ibuprofen in solch hohen Dosen kann zu schweren Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Blutungen, Nierenversagen und Herz-Kreislauf-Problemen führen. Experten raten daher dringend davon ab, Schmerzmittel ohne ärztliche Aufsicht über einen längeren Zeitraum einzunehmen.



