Eurowings-Chef Max Kownatzki hat ehrgeizige Pläne für den Flughafen Berlin Brandenburg (BER) vorgestellt. Die Fluggesellschaft will ihre Präsenz am Hauptstadtflughafen massiv ausbauen und langfristig die führende Airline am BER werden. Dies gab der seit Februar amtierende CEO am Dienstag bekannt.
Eurowings stockt Flotte am BER auf
Die Lufthansa-Tochter wird die Zahl der am BER stationierten Flugzeuge von derzeit neun auf elf im Winterflugplan erhöhen. Parallel dazu soll die Anzahl der Crewmitglieder in Berlin auf über 300 wachsen. Kownatzki betonte: „Berlin ist für uns ein Fokusgebiet. Wir wollen den Standort zur Nummer eins ausbauen.“ Dies sei jedoch erst der Anfang: „Das ist nicht das Ende der Fahnenstange. Wir haben noch mehr vor.“
Neue Ziele und verstärkte Frequenzen
Bereits im Sommerflugplan hat Eurowings neue Direktverbindungen ab Berlin eingeführt, darunter nach London, Lissabon und Sarajevo. Im Winter kommen weitere Ziele hinzu, etwa Bologna. Auch die Kanarischen Inseln werden häufiger angeflogen. Insgesamt werden künftig rund 50 Direktziele ab Berlin angeboten.
Ryanair-Rückzug als Chance
Der Ausbau erfolgt vor dem Hintergrund des Rückzugs von Ryanair am BER. Die Billigfluggesellschaft hatte Ende April angekündigt, ihre Basis mit sieben Flugzeugen zu schließen und das Flugangebot im Winter um die Hälfte zu reduzieren. Kownatzki sieht darin eine Marktlücke: „Es haben sich Marktfelder aufgetan, die wir gern belegen.“
Herausforderungen: Hohe Kosten und Steuerbelastung
Trotz der Expansionspläne sieht Kownatzki erhebliche Hürden. Die hohen Standortkosten in Deutschland und am BER belasten die Airline. „Berlin ist kein günstiger Flughafen“, kritisierte der CEO. Er forderte politische Entlastungen: „Die Politik muss für Entlastung sorgen.“ Die jüngste Rücknahme der Luftverkehrssteuererhöhung sei nur ein „Tropfen auf den heißen Stein“.
Keine direkten Preisvorteile für Fluggäste
Von der Steuersenkung würden Reisende voraussichtlich nicht profitieren, da die Kosten in den vergangenen Jahren stark gestiegen seien. „Die Flugpreise können wir nicht senken“, stellte Kownatzki klar. Zudem seien die Kosten am BER selbst zu hoch.
Tourismus in Berlin unter Druck
Die hohen Preise hätten auch negative Auswirkungen auf den Tourismus in Berlin. Die Besucherzahlen seien zuletzt rückläufig gewesen. Eurowings stehe dazu mit Visit Berlin im Austausch. „Je attraktiver die Preise sind, desto mehr Nachfrage können wir generieren. Da sind wir noch nicht, wo wir sein wollen“, so Kownatzki.
Sommerflüge ohne Kerosinprobleme
Positiv für Urlauber: Eurowings werde im Sommer keine Flüge aufgrund von Kerosinknappheit streichen. Allerdings drohten höhere Preise für beliebte Urlaubsziele wie Spanien oder Portugal, da die Nachfrage nach „sicheren“ Destinationen steige. Im Schnitt seien Spanienreisen bereits drei Prozent teurer geworden.
Eurowings ist bereits in Düsseldorf, Hamburg, Köln/Bonn und Stuttgart die führende Airline. Nun soll Berlin folgen. Der CEO zeigte sich zuversichtlich, dass die Hauptstadt mit ihrem breiten Kundensegment – von Geschäftsreisenden über Städtetouristen bis zu Besuchern von Verwandten – großes Potenzial biete.



