Zehn Jahre nachdem die Politik eine Technologie zur einheitlichen Digitalisierung von Bauprojekten vorgestellt hat, bleibt die Umsetzung hinter den Zielen zurück. Während einzelne Unternehmen der Branche inzwischen den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI), automatisierte Planung und digitale Baustellen prüfen, ist die Zusammenarbeit zwischen Auftraggebern, Planern und Architekten weiterhin analog.
Ernüchternde Zwischenbilanz
Laut einer aktuellen Studie des IT-Branchenverbands Bitkom nutzt erst rund jedes sechste Unternehmen im Bau- und Ausbaugewerbe das Building Information Modeling (BIM). Weitere 13 Prozent planen seinen Einsatz. Knapp zwei Drittel der Betriebe geben an, sich bislang nicht ausreichend oder gar nicht damit beschäftigt zu haben.
Dabei sollte BIM die Branche grundlegend verändern. 2015 stellte das damalige Bundesverkehrsministerium es als Teil seines „Stufenplans Digitales Planen und Bauen“ vor. Statt Bauprojekte über unzählige Pläne und Dokumente zu koordinieren, werden sämtliche Informationen dabei in einem digitalen Gebäudemodell zusammengeführt. Planung, Bau und auch der spätere Betrieb sollen dadurch effizienter und besser steuerbar werden.
Potenziale erkannt, aber nicht umgesetzt
Mehr als die Hälfte der vom Bitkom befragten Unternehmen erkennt die Potenziale der Methode auch. Effizienzsteigerungen, Kostenersparnisse und weniger Fehler gelten als zentrale Vorteile. Trotzdem fällt die Zwischenbilanz ernüchternd aus. „Frustrierend ist, dass wir seit zehn oder fünfzehn Jahren immer noch die gleichen Gespräche führen“, sagt Thomas Janka, Softwareexperte.
Die Studie zeigt, dass vor allem kleinere Betriebe und öffentliche Auftraggeber zögern, auf BIM umzusteigen. Fehlendes Fachwissen, hohe Anfangsinvestitionen und mangelnde Standardisierung werden als Hürden genannt. Während große Baukonzerne bereits mit KI-gestützter Planung experimentieren, arbeiten viele Handwerksbetriebe weiterhin mit 2D-Zeichnungen und E-Mails.
Der Bitkom fordert daher mehr politische Unterstützung, um die Digitalisierung im Bauwesen voranzutreiben. Dazu gehören Schulungsprogramme, Investitionsanreize und verbindliche Standards für die öffentliche Auftragsvergabe. Nur so könne die Bauindustrie den Anschluss an andere Branchen finden und die Potenziale von BIM und KI voll ausschöpfen.



