Bei einem erneuten russischen Angriff auf die ukrainische Hauptstadt Kyjiw sind in der Nacht mindestens elf Menschen getötet worden. Das teilte Präsident Wolodymyr Selenskyj mit. Russische Raketen und Drohnen trafen Wohnblöcke und andere Gebäude. Die Opferzahl könnte noch steigen.
Selenskyj fordert Nato-Beschlüsse nach Raketenangriff
Nach dem schweren Angriff appellierte Selenskyj an die Nato, die Luftabwehr der Ukraine zu verstärken. „Es ist äußerst wichtig, dass die Welt, allen voran Amerika und unsere europäischen Partner, vom Nato-Gipfel starke Entscheidungen zur Unterstützung unserer Luftabwehr und zum Schutz von Zivilisten mitbringen“, schrieb er bei Telegram.
In der Stadt Wyschnewe in der Region Kyjiw kommt es weiterhin zu Detonationen. Russische Medien behaupten, dort sei ein Munitionslager getroffen worden. Die ukrainische Seite hat dies bislang nicht offiziell bestätigt. Anwohner berichten von lauten Explosionen in Wellen, die Häuser erschüttern.
Ukraine greift russische Häfen und Raffinerien an
Die Ukraine hat Russland mit mehr als 500 Drohnen angegriffen. Dabei wurden die Ostseehäfen Wysozk und Ust-Luga beschädigt, wie örtliche Behörden mitteilten. Ust-Luga ist einer der wichtigsten russischen Exporthäfen für Öl. Nach Angaben des Regionalgouverneurs Alexander Drosdenko wurden in der Gegend 56 Drohnen abgeschossen.
Die größte ukrainische Tankstellenkette WOG schränkt wegen russischer Angriffe den Betrieb in sieben Regionen ein: Poltawa, Sumy, Tschernihiw, Charkiw, Saporischschja, Dnipropetrowsk und Cherson. Der Leiter der Militärverwaltung von Sumy, Oleh Hryhorow, warnte vor erheblicher Gefahr in der Nähe von Tankstellen.
Menschliche Schicksale im Krieg
Eine Leserin schrieb, sie bevorzuge Militäranalysen, weil ihr die menschlichen Schicksale zu sehr unter die Haut gingen. Eine Begegnung mit einer älteren Dame namens Hanna in Borodjanka zeigt die Vielschichtigkeit: Sie hatte ihr Zuhause verloren und lebte in einem zehn Quadratmeter großen Container mit zwei Hochbetten. Trotzdem war sie glücklich, weil sie nur einen Mitbewohner hatte, und bestand darauf, ihre selbstgemachten Warenyki zu probieren. Solche Geschichten zeigen, dass Menschen in Kriegsländern nicht nur Opfer sind.



