Spritmangel in Russland: Tankstellen rationieren Treibstoff
In Russland verschärft sich die Treibstoffkrise. Wie die Rechercheplattform „Agentstwo“ berichtet, haben etwa ein Viertel aller Tankstellen im Land Beschränkungen bei der Benzinabgabe eingeführt. Demnach gelten an mindestens 7000 Stationen Limits. Der russische Mineralölkonzern Tatneft teilte der Nachrichtenagentur AFP mit, dass Autofahrer derzeit nur „30 Liter Benzin und 60 Liter Diesel pro Person“ tanken dürfen. Diese Regelung betreffe rund 800 Tankstellen. Wie lange die Einschränkungen bestehen bleiben, konnte der Kundendienst nicht sagen. Auch der Grund für die Maßnahme blieb ungenannt. Kunden wurden zudem gebeten, wegen Problemen mit elektronischen Zahlungsmitteln Bargeld mitzubringen.
Weitere Konzerne ziehen nach
Auch andere Ölkonzerne müssen offenbar sparsamer wirtschaften. Rosneft (2200 Tankstellen), Baschneft (rund 500) und TNK haben den Verkauf von Benzin in Kanistern untersagt. Lukoil (2800 Tankstellen) begrenzte die Abgabe auf 100 Liter pro Tankfüllung. Besonders angespannt ist die Lage auf der von Russland besetzten Krim und in den ukrainischen Gebieten Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson. Dort wird Kraftstoff nur stundenweise verkauft oder es gelten strenge Limits von 20 Litern. Der Verkauf von Kanistern ist dort komplett verboten.
Ukrainische Angriffe als Ursache
Der Benzinmangel ist eine direkte Folge ukrainischer Angriffe auf russische Energieinfrastruktur. Immer wieder gelingt es ukrainischen Drohneneinheiten, Raffinerien in Brand zu setzen. Erst am Dienstag veröffentlichte Präsident Wolodymyr Selenskyj ein Video einer brennenden Raffinerie im Moskauer Stadtgebiet. Ziel der Ukraine ist es, Russland durch diese Angriffe zur Beendigung des Krieges zu zwingen.
Regierung räumt Probleme ein
Kremlchef Wladimir Putin zeigt sich bislang nicht verhandlungsbereit. Doch die gezielte Beeinträchtigung des Alltags der russischen Bevölkerung könnte dies ändern. In der vergangenen Woche gestand das russische Energieministerium ein, dass Energiekonzerne „vorübergehend Schwierigkeiten mit der Treibstoffversorgung“ in südlichen Regionen aufgrund eines Anstiegs „feindlicher Luftangriffe“ hätten. Auch die russische Wirtschaft leidet unter den Folgen des Angriffskriegs. Vizeregierungschef Alexander Nowak erklärte auf dem St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforum, dass Russland derzeit weniger Öl fördere als geplant, und führte dies auf unplanmäßige Reparaturen zurück. Die Regierung verhängte zudem ein erstmaliges Exportverbot für Kerosin bis Ende November. Bereits im April wurde ein Exportverbot für Benzin eingeführt, das zunächst bis Ende Juli gilt.



