Der Iran veranstaltet ab Samstag sechstägige Trauerzeremonien für den bei US-israelischen Angriffen getöteten obersten Führer Ali Chamenei. Die Abschiedszeremonien finden an hochsymbolischen Orten statt, darunter Teheran, Ghom, Nadschaf und Kerbela. Allein in Teheran werden 15 bis 20 Millionen Menschen erwartet. Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf rief zur Teilnahme auf, um Chameneis Tod zu „rächen“.
Trauerzeremonien in Teheran und anderen Städten
Der Leichnam Chameneis wird ab Samstag in der Mosalla von Teheran aufgebahrt. Der Moschee-Komplex dient normalerweise für Freitagsgebete und nationale Zeremonien. Die Hauptstadt wird während der dreitägigen Gedenkfeiern „vollständig geschlossen sein und arbeitsfrei“, wie die Behörden anordneten. Der Luftraum über Teheran wird ab Freitag teilweise und am Montag vollständig gesperrt.
Am 9. Juli wird Chamenei in seiner Heimatstadt Maschhad beigesetzt. Zuvor führen Trauerzüge durch Ghom, Nadschaf und Kerbela. Ghom ist ein Zentrum schiitischer Gelehrsamkeit, Kerbela eine der heiligsten Stätten des schiitischen Islam. Die Aufnahme von Nadschaf soll die Verbindungen zur internationalen schiitischen Gemeinschaft hervorheben.
Iran warnt USA und Israel vor Angriffen
Der Iran drohte den USA und Israel mit Vergeltung für den Fall von Angriffen während des Staatsbegräbnisses. „Wir warnen die Feinde des Iran, insbesondere die USA und das zionistische Regime, vor jeglicher Fehleinschätzung“, erklärte Kommandeur Ali Abdollahi. Ghalibaf rief zur Teilnahme auf: „Der Ruf der Nation nach Rache muss in den Ohren der ganzen Welt widerhallen.“
Indirekte US-Iran-Gespräche in Katar
Katar meldete „positive Fortschritte“ bei den indirekten Gesprächen zwischen den USA und dem Iran. Die Seiten hätten vereinbart, die Beratungen nach den Trauerfeierlichkeiten fortzusetzen. Die Gespräche bauten auf dem Rahmenabkommen von Islamabad und dem Gipfel im schweizerischen Bürgenstock auf.
Irans Vize-Außenminister Kasem Gharibabadi gab bekannt, dass ein Kommunikationskanal eingerichtet werde, um Verstöße gegen das Rahmenabkommen zu melden. Die US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner nahmen an den „technischen Gesprächen“ nicht teil, trafen aber den Emir von Katar.
Ölpreise fallen, Schifffahrt normalisiert sich langsam
Die Ölpreise fielen den dritten Tag in Folge auf das Niveau vor dem Iran-Krieg. Brent-Öl notierte bei 70,63 Dollar, WTI bei 67,56 Dollar je Fass. Grund ist die Wiedereröffnung der Straße von Hormus. Die Reederei CMA CGM rechnet mit einer mehrmonatigen Normalisierung des Schiffsverkehrs. Derzeit führen 60 Prozent der Schiffe durch den Suezkanal, 40 Prozent nehmen den Weg um Afrika.
Weitere Entwicklungen
Die iranischen Revolutionsgarden töteten fünf kurdische Kämpfer der PDKI im Nordwesten des Iran. Ein tadschikischer Staatsbürger wurde in Israel unter Spionageverdacht festgenommen; er soll Einschlagsorte iranischer Raketen übermittelt haben. Syriens Außenminister betonte, Damaskus strebe keine militärische Einmischung im Libanon an. In Israel gedachten tausend Tage nach dem Hamas-Überfall am 7. Oktober 2023 zahlreiche Menschen der Opfer und forderten eine Aufarbeitung.



