Bei Ausgrabungen in Ägypten haben Archäologen eine gut erhaltene Stadt aus byzantinischer Zeit in der westlichen Wüste freigelegt. Das ägyptische Ministerium für Tourismus und Altertümer gab bekannt, dass die Siedlung aus dem 4. Jahrhundert stammt. Die Forscher fanden Tonscherben mit Inschriften in Koptisch und Griechisch sowie Bronze- und Goldmünzen, darunter solche aus der Zeit des römischen Kaisers Constantius II. (337–361).
Einblicke in den Alltag der byzantinischen Zeit
Nach Angaben des Ministeriums gewähren die ersten Funde Einblicke in den Alltag, die Stadtentwicklung und die wirtschaftlichen Aktivitäten in der Zeit, als Ägypten Teil des Byzantinischen Reiches war. Die Stadt im archäologischen Komplex Ain al-Sabil in der Dachla-Oase wurde aus Lehmziegeln errichtet. Sie verfügte über ein planmäßig angelegtes Straßennetz, öffentliche Plätze, Wohnhäuser, eine Basilika-ähnliche Kirche und Verteidigungsanlagen – eine organisierte urbane Gemeinde mitten in der Wüste.
Intakter Sarkophag in Marina El-Alamein
Gleichzeitig gab das Ministerium die Entdeckung mehrerer fast 2000 Jahre alter Gräber an der Mittelmeerküste bekannt. In Marina El-Alamein, etwa hundert Kilometer westlich von Alexandria, fanden Archäologen Gräber, die nach so langer Zeit noch intakt waren. Die Steinplatten der Gräber in mehreren Kammern befanden sich noch an ihrem ursprünglichen Platz. Ein Granit-Sarkophag von etwa zweieinhalb Metern Länge hatte noch einen intakten Deckel, was darauf hindeutet, dass er fast 2000 Jahre verschlossen war.
Goldartefakte als Grabbeigaben
In den Gräbern fanden die Archäologen menschliche Überreste, Töpferwaren, Amphoren und andere Grabbeigaben. Zu den bedeutendsten Funden zählten 24 Objekte aus Gold, die mehreren Verstorbenen in den Mund gelegt worden waren – ein Bestattungsritual, das mit Vorstellungen vom Leben nach dem Tod verbunden ist. Es wird angenommen, dass es sich bei dem Fundort um die antike Stadt Leukaspis handelt, einen Mittelmeerhafen, der zwischen der hellenistischen und der byzantinischen Zeit seine Blütezeit erlebte. Insgesamt sind damit nach Angaben des Ministeriums inzwischen 44 Gräber in Marina al-Alamein bekannt, seit die Stätte im Zuge von Bauarbeiten im Jahr 1986 entdeckt wurde.
Byzantinisches Reich in Ägypten
Nach der Teilung des Römischen Reiches im Jahr 395 nach Christus wurde Ägypten Teil des Oströmischen Reiches, das später als Byzantinisches Reich bekannt wurde. Aufgrund seiner fruchtbaren Böden war Ägypten eine der wichtigsten Provinzen des Reiches und galt als dessen „Kornkammer“. Vor allem die Millionenstadt Alexandria entwickelte sich zu einer bedeutenden Metropole. Von hier aus wurden Getreide, Papyrus und andere Waren in den gesamten Mittelmeerraum exportiert. Gleichzeitig prägte das Christentum das gesellschaftliche Leben immer stärker. Im Laufe der Zeit kam es jedoch zu Spannungen zwischen der byzantinischen Regierung in Konstantinopel und der mehrheitlich koptischen Bevölkerung, insbesondere wegen religiöser Streitigkeiten über die Natur Christi.



