Die Frau, die mit ihrem unverwechselbaren sächsischen Dialekt den legendären Nummer-eins-Hit „Maschen-Draht-Zaun“ von Stefan Raab hervorbrachte, ist tot. Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, starb Regina Zindler bereits am 5. Mai im Alter von 79 Jahren. Sie wurde auf eigenen Wunsch in einem anonymen Gemeinschaftsgrab in Zwickau beigesetzt.
Der Ursprung des Hits
Alles begann im Jahr 1999, als Mitarbeiter der Kölner Produktionsfirma Brainpool nach lustigen Ausschnitten für Stefan Raabs Sendung „TV Total“ suchten. In der damals neuen Gerichtsshow „Richterin Barbara Salesch“ wurden sie fündig: Eine resolute Dame aus Auerbach im Vogtland trug einen Nachbarschaftsstreit vor und benutzte dabei die Worte „Maschendrahtzaun“ und „Knallerbsenstrauch“. Raab und sein Autor Jens Bujar erkannten das Potenzial und schrieben einen Song darum.
Vom TV-Ausschnitt zum Chartstürmer
Der Song wurde zunächst in der Sendung gespielt und erntete so große Resonanz, dass Raab ihn zusammen mit der Countryband Truck Stop – ein Wortspiel mit dem niedersächsischen Ort Maschen – als Single aufnahm. Die Produktionsfirma holte Zindlers Einverständnis ein und versprach ihr zehn Pfennig pro verkaufter Single. „Maschen-Draht-Zaun“ erreichte Ende November 1999 die Spitze der deutschen Singlecharts und wurde zu Raabs einzigem Nummer-eins-Hit. Insgesamt verkaufte sich die Single rund eine Million Mal.
Ein Fluch für die Protagonistin
Doch der plötzliche Ruhm wurde für Regina Zindler zur Belastung. Hunderte Schaulustige strömten zum Schauplatz des Nachbarschaftsstreits, einem Doppelhaus in Auerbach. Medienberichte zeigten eine schimpfende Zindler, und sie fand keine Ruhe mehr. Zeitweise musste sie sich in einer psychiatrischen Klinik behandeln lassen. Kommunikationswissenschaftler Andreas Hepp bezeichnete das Phänomen als Paradebeispiel für die „Eventisierung von Medienkommunikation“. Zindler verkaufte schließlich ihr Haus und zog ins anonymere Berlin.
Weitere mediale Auftritte
Trotz der negativen Erfahrungen heizte Zindler das mediale Interesse immer wieder an. Sie verkaufte den berühmten Zaun, der anschließend von einem Radiosender stückweise versteigert wurde. Gemeinsam mit einem Leipziger Musikproduzenten nahm sie den Song „Frieden am Zaun“ auf, der eine Woche lang auf Platz 76 der Charts stand. Auch mit Drafi Deutscher entstand eine Version von „Marmor, Stein und Eisen bricht“. Doch der Frieden blieb aus: Bei einem Liveauftritt schimpfte sie erneut über ihren Nachbarn.
Späte Jahre und Tod
Mit der Zeit ebbte das Interesse an der „Maschendrahtzaun“-Frau ab. Stefan Raab wandte sich neuen Projekten zu, etwa Gerhard Schröders Ausspruch „Ho mir ma ne Flasche Bier“. Zindler selbst sagte 2014 der „Bild am Sonntag“: „Auf den Herrn Raab bin ich nicht mehr böse – der hat ja nur sein Lied gemacht, ich habe damals mein Einverständnis gegeben.“ Im April 2026 spürte die „Bild“-Zeitung die inzwischen 79-Jährige in einem Mietshaus in Zwickau auf. Ihr Ehemann berichtete, dass sie an Krebs im Endstadium leide und Palliativpflege erhalte. Nun ist Regina Zindler friedlich eingeschlafen.



