Die Neuköllner Oper in Berlin hat mit ihrer neuesten Inszenierung „Tarab“ einen besonderen Abend geschaffen, der ganz im Zeichen der arabischen Musik-Ikone Umm Kulthum steht. Die Produktion, die von Uwe Sauerwein als freier Mitarbeiter rezensiert wurde, entführt das Publikum auf einen steinigen Weg der Erinnerung – abseits von Geschichte und Politik. Stattdessen steht die sinnliche Ekstase der Musik im Mittelpunkt.
Ein Abend voller Emotionen und Klänge
Der Titel „Tarab“ ist ein Begriff aus der arabischen Musik, der eine tiefe emotionale Ekstase beschreibt, die durch Musik ausgelöst wird. Genau diese Erfahrung versucht die Inszenierung zu vermitteln. Die Künstlerinnen Rita El-Achkar, Waed Bouhassoun und Mireille Bittar hauchen den Werken von Umm Kulthum neues Leben ein. Sie interpretieren die Stücke der ägyptischen Sängerin, die bis heute als „Stern des Orients“ verehrt wird, auf eine Weise, die sowohl traditionell als auch modern anmutet.
Die Bühne als Ort der Begegnung
Die Bühnenbildgestaltung unterstreicht die Intimität des Abends. Mit schlichten, aber eindrucksvollen Elementen wird eine Atmosphäre geschaffen, die an die Salons Kairo erinnert, in denen Umm Kulthum einst auftrat. Die Zuschauer werden Teil dieser intimen Runde, in der Musik nicht nur gehört, sondern gefühlt wird. Die Inszenierung verzichtet bewusst auf große historische oder politische Bezüge, um den Fokus ganz auf die musikalische Reise zu legen.
Die Künstlerinnen im Porträt
- Rita El-Achkar: Die libanesische Sängerin und Oud-Spielerin ist bekannt für ihre einfühlsamen Interpretationen klassischer arabischer Musik. Ihre Stimme verleiht den Liedern eine zeitlose Tiefe.
- Waed Bouhassoun: Die syrische Sängerin und Musikerin beherrscht sowohl traditionelle als auch zeitgenössische Stile. Ihr Vortrag ist von einer intensiven Emotionalität geprägt.
- Mireille Bittar: Als libanesische Sopranistin bringt sie eine westliche Ausbildung mit, die sie gekonnt mit orientalischen Klängen verbindet. Ihr Gesang schafft Brücken zwischen den Kulturen.
Ein Erlebnis für alle Sinne
Die Inszenierung von „Tarab“ ist mehr als ein Konzert – sie ist ein Gesamtkunstwerk. Licht, Klang und Raum verschmelzen zu einer Einheit, die das Publikum in ihren Bann zieht. Die Lieder von Umm Kulthum, die oft von Liebe, Sehnsucht und Schmerz handeln, werden hier zu einer universellen Sprache, die kulturelle Grenzen überwindet. Die Neuköllner Oper beweist einmal mehr, dass sie ein Ort ist, an dem innovative und berührende Theatermomente entstehen.
Fazit: Ein Abend, der in Erinnerung bleibt
„Tarab“ an der Neuköllner Oper ist eine Hommage an eine der größten Stimmen des 20. Jahrhunderts. Die Produktion zeigt, dass Umm Kulthums Musik auch heute noch nichts von ihrer Faszination verloren hat. Wer sich auf diesen Abend einlässt, wird mit einer intensiven emotionalen Erfahrung belohnt, die lange nachhallt.



