Ein älteres Ehepaar aus Pembrokeshire in Wales machte einen außergewöhnlichen Fund: Beim Gassi-Gehen mit dem Hund entdeckten sie zwei Katzenbilder im Müll. Wie die „BBC“ berichtete, sorgt dieser Fund nun in ganz Großbritannien für Aufsehen. Denn die scheinbar wertlosen Werke entpuppten sich als Kunstschatz im Wert von rund 18.500 Euro.
Vom Müll zur Auktion: Die Geschichte der Katzenbilder
Die beiden Gemälde tragen die Titel „Blaue Katze zwischen den Blumen“ und „Psychedelische Katzen“. Das erste Werk misst 34 mal 24,5 Zentimeter, das zweite 24 mal 30,5 Zentimeter. Auf den ersten Blick handelte es sich um kleine, eigenwillige Katzenbilder, die leicht zu übersehen waren. Das Ehepaar nahm die Werke dennoch mit und schenkte sie zunächst der Schwiegertochter. Diese hängte sie eine Zeit lang bei sich zu Hause auf, gab sie später jedoch zurück. So landeten die Bilder schließlich an den Wänden der Finder.
Erst Jahre später begannen die Besitzer, genauer zu recherchieren. Diese späte Neugier sollte sich auszahlen: Die signierten Werke stammen offenbar von Louis Wain, jenem britischen Künstler, der Katzen nicht nur als Haustiere, sondern als Charakterdarsteller porträtierte. Dem Auktionshaus Rogers Jones erzählten die Besitzer laut „BBC“, sie hätten immer wieder darüber gescherzt, dass die Bilder vielleicht eines Tages etwas wert sein könnten. Wirklich geglaubt hätten sie es jedoch nie.
Louis Wain: Der Künstler hinter den Katzen
Louis Wain, geboren am 5. August 1860 in Clerkenwell, war zunächst Lehrer an der West London School of Art, wo er zuvor selbst studiert hatte. Später arbeitete er als freier Zeichner für Zeitschriften und Zeitungen. Berühmt wurde Wain vor allem durch seine Katzenbilder: mal drollig, mal vermenschlicht, mal ornamental entrückt. Häufig wird ihm zugeschrieben, den Blick der Briten auf Katzen verändert zu haben. Aus dem nützlichen Mäusefänger wurde bei Wain ein geliebter Hausgenosse mit Eigensinn. Seine Katzen wirkten nicht bloß wie Tiere, sondern wie kleine Figuren mit Haltung, Launen und Charakter.
Wains eigenes Leben war weniger behaglich als viele seiner Bilder. Das Auktionshaus Rogers Jones erklärte laut „BBC“, Wain habe zu Lebzeiten immer wieder finanzielle Schwierigkeiten gehabt und viele seiner Arbeiten für kleine Beträge verkauft. Heute dagegen gilt er als bedeutender britischer Künstler. Zu dieser neuen Aufmerksamkeit trug auch der Film „Die wundersame Welt des Louis Wain“ aus dem Jahr 2021 bei, in dem Benedict Cumberbatch den Künstler spielt. Seitdem interessieren sich nicht mehr nur Sammler und Kunstkenner für Wains Werke, sondern auch ein breiteres Publikum.
Auktion: Müllfund wird zum 18.500-Euro-Schatz
Für das Ehepaar aus Pembrokeshire kam diese Renaissance zur rechten Zeit. Bei der Versteigerung am 21. Mai erzielten die beiden Bilder zusammen 16.000 britische Pfund, umgerechnet rund 18.500 Euro. Dass Kunstwerke im Müll landen, sei zwar ungewöhnlich, komme aber immer wieder vor, sagte Auktionator Ben Rogers Jones der „BBC“. Zugleich verwies er auf eine wichtige Voraussetzung: Wer etwas bei einer Auktion einliefere, müsse vertraglich bestätigen, Eigentümer des Gegenstands zu sein.
Damit stellt sich auch die Frage, wem die Bilder ursprünglich gehört haben. Die früheren Besitzer haben sich bislang offenbar nicht gemeldet. Sollten sie die Werke wiedererkannt haben, könnten sie dennoch Schwierigkeiten haben, ihren Anspruch zu beweisen. Ohne Dokumente, Kaufbelege oder andere Nachweise lässt sich rechtmäßiges Eigentum oft nur schwer belegen.
Ganz unproblematisch ist die Sache deshalb nicht. Das Mitnehmen weggeworfener Gegenstände bewegt sich auch in England und Wales rechtlich in einer Grauzone. Theoretisch kann dabei der „Theft Act“, also das britische Diebstahlgesetz von 1968, eine Rolle spielen. Denn am Ende entscheidet nicht allein der Ort, an dem ein Gegenstand liegt, über seinen rechtlichen Status. Entscheidend ist, ob der frühere Besitzer ihn tatsächlich aufgegeben hat – oder ob aus einem vermeintlich herrenlosen Fundstück doch noch fremdes Eigentum werden könnte.



