Der Comic-Salon in Erlangen hat begonnen und stellt sich den großen Fragen der Zeit. Mit dabei sind Ausstellungen zu Verschwörungen, häuslicher Gewalt, Dogmatismus, Autokratie, Krieg, Faschismus, KI und Menschlichkeit – präsentiert vom Jaja-Verlag in der Schau „Unruhige Zeiten“. Die deutschsprachige Comicszene versammelt sich alle zwei Jahre und lässt den Irrsinn der Welt nicht draußen. Sogar Donald Trump ist präsent: Unter dem Hashtag #iceoutcomics wird zeichnerischer Widerstand gegen seine Abschiebepolitik gezeigt. Auch der Iran, syrische Foltergefängnisse, Migration und Angriffe auf die Demokratie werden thematisiert. Sind die Superschurken real?
Doch der Jaja-Verlag beruhigt: „Aus unseren Geschichten leuchten Hoffnung, Mut und Fröhlichkeit.“ Die Auseinandersetzung mit Krisen ist Tradition des Salons. Streichungen von Kulturförderungen in Deutschland, das Verbannen von Comics aus US-Bibliotheken, verändertes Medienverhalten und die Bedrohung durch KI fordern die neunte Kunst heraus. In Erlangen wird diskutiert, wie die Kunst reagieren kann.
Walter Moers: Satire und Fantasie
Eine große Werkschau im Erlanger Stadtmuseum würdigt bis 13. September den Künstler Walter Moers. Gezeigt werden Originalzeichnungen, Ölgemälde, Puppen und Figuren. Seine schwarzhumorigen Strips wie „Das kleine Arschloch“ oder „Adolf, die Nazi-Sau“ sind heute kaum vorstellbar – ein Zeugnis der 90er Jahre. Auch Käpt'n Blaubärs Lügengeschichten steckten voller Wahrheit. Moers, der nie öffentlich auftritt, könnte die Ausstellung persönlich besuchen – nur weiß kaum einer, wie er aussieht.
Simpsons und Christoph Niemann
Eine Ausstellung über die Simpsons zeigt, wie die Serie den amerikanischen Alltag sezierte. Neben Storyboards und Trickfilmfolien sind Originalzeichnungen aus den Simpsons-Comics zu sehen. Christoph Niemann präsentiert in „Auf den Punkt“ Werke, die mit wenigen Strichen Alltagsgegenstände neu perspektivieren – multimedial mit Fotografie, Video und Technik. Ausstellungen über wortlose Comics und Quantenphysik testen inhaltliche Grenzen aus.
Isabel Kreitz und politische Comics
Die Werkschau über Isabel Kreitz (bis 5. Juli) zeigt ihren präzisen Stil in Graphic Novels über Spione, Serienmörder und Nazi-Zeit. Auch frühe Strips, Erich-Kästner-Adaptionen und Grusel-Comics sind zu sehen. Roya Soraya präsentiert „Wind in meinem Kopftuch“ über eine Iran-Reise vor dem Krieg. Lisa Frühbeis und Jonas Seufert dokumentieren in „Schattenleben“ Menschen ohne Papiere. Tobi Dahmen spricht über „Al-Fazia‘“, die Geschichte eines syrischen Folterüberlebenden.
Programm und Max-und-Moritz-Preis
In Lesungen, Vorträgen und Gesprächsrunden treffen Superhelden-Fans, Cosplayer und Forscher aufeinander. Verlage präsentieren Neuerscheinungen in Hallen vor dem Schloss und im Schlossgarten. Erwartet werden 25.000 Besucher. Der neue Kultur- und Bildungscampus Kubic feiert Premiere mit dem Festival „Kinder lieben Comics“. Am Freitag wird auf der Max-und-Moritz-Gala der wichtigste deutschsprachige Comicpreis verliehen. Für ihr Lebenswerk wird die Britin Posy Simmonds geehrt, die in Comics wie „Gemma Bovary“ satirisch die britische Mittelschicht zerlegt.
Comic kann viel mehr. Die Kunstform muss sich den Krisen stellen – und will das auch, nicht nur auf dem Comic-Salon.



