Clive Davis, einer der einflussreichsten Musikproduzenten aller Zeiten, ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Das berichten die „New York Times“ und die „Washington Post“ unter Berufung auf seine Familie und sein Management. Davis war zuvor mit Atemwegsproblemen in einem Krankenhaus behandelt worden.
Entdecker von Whitney Houston und vielen weiteren Stars
Davis entdeckte und förderte eine Vielzahl von Künstlern, die die Musikgeschichte prägten, darunter Whitney Houston, Barry Manilow, Janis Joplin, Santana, Bruce Springsteen, Billy Joel, Pink Floyd, Patti Smith, Alicia Keys und Aerosmith. Seine Karriere begann nach einem Jurastudium, das er mit harter Arbeit finanzierte. „Ich hatte dann noch 4000 Dollar, um durch das College und das Jura-Studium zu kommen“, sagte Davis einmal in einem Interview. Diese Erfahrung habe ihm eine gute Arbeitsmoral eingebracht.
Frühes Leben und Karrierebeginn
Geboren wurde Davis 1932 im New Yorker Stadtteil Brooklyn in eine jüdische Familie. Seine Eltern starben kurz nacheinander, als er gerade das College begann. Um Stipendien zu erhalten, musste er seinen Notendurchschnitt hoch halten, was ihn prägte. Nach dem Abschluss arbeitete er als Anwalt und wechselte dann zur Musikfirma Columbia, bevor er mehrere eigene Labels gründete. Der mehrfache Grammy-Gewinner ist seit dem Jahr 2000 Mitglied der Ruhmeshalle des Rock and Roll.
Bedeutende Entdeckungen und Beziehungen
Eine seiner wichtigsten Entdeckungen war Whitney Houston, die er 1983 entdeckte. „Wir hatten eine sehr enge berufliche Beziehung von dem Zeitpunkt an, an dem ich sie entdeckt habe. Sie war ein stimmliches Genie. Sie konnte einen Song transformieren und völlig anders machen“, erinnerte sich Davis. 2022 erschien der Film „I Wanna Dance with Somebody“ über Houston, an dem Davis mitwirkte. Er vermisse Houston sehr, ebenso wie Aretha Franklin, mit der er eng befreundet war. „Sie und ich wurden sehr gute Freunde. Wir sind zusammen essen gegangen und haben über das Leben geredet. Sie hat nie zugegeben, dass sie unheilbar krank war. Bis ein paar Wochen vor ihrem Tod haben wir noch gequatscht“, sagte Davis.
Privates Leben und Bekenntnis zur Bisexualität
Davis war zweimal verheiratet, beide Ehen scheiterten. Aus ihnen gingen vier Kinder hervor. In seiner 2013 erschienenen Autobiografie „The Soundtrack of My Life“ outete er sich als bisexuell. „Erst im mittleren Alter, nach zwei gescheiterten Ehen, habe ich – wenn es um Beziehungen ging – über das Geschlecht hinaus geschaut“, schrieb er. Davis liebte besonders die Musik von Bruce Springsteen. „Ich liebe alles von Springsteen. Von dem Moment, in dem er seinen Vertrag unterschrieben hat, bis zu seinen Broadway-Auftritten – ich habe ihn ein Leben lang beobachtet.“
Vermächtnis und letzte Jahre
An seinem Leben habe er „alles geliebt“, sagte Davis vor wenigen Jahren dem „Rolling Stone“. „In die Platten-Branche zu gehen und mein Leben der Musik zu verschreiben, war unglaublich erfüllend und befriedigend in jeder Hinsicht.“ Zu seinem 90. Geburtstag gab er eine große Party in New York mit dutzenden Stargästen und eine Mini-Dokuserie. Danach zog er sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück. Mit seinem Tod verliert die Musikwelt eine Legende, die über Jahrzehnte den Soundtrack von Millionen Menschen prägte.



