Eine Frau aus Lichtenberg in Sachsen ist Opfer eines perfiden Betrugs geworden: Durch ein mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstelltes Deepfake-Video, das die ZDF-Talkshow Markus Lanz missbrauchte, verlor sie mehr als eine Million Euro. Das Video zeigte eine angebliche Finanzexpertin, die über eine lukrative Geldanlage sprach. Die Frau überwies von April an über drei Monate hinweg immer höhere Summen, bis zu 460.000 Euro auf einmal, in der Hoffnung auf hohe Renditen.
Täuschend echtes Deepfake-Video führte zur Anmeldung auf Betrugsseite
Das manipulierte Video der Lanz-Talkshow hatte die Frau laut Polizei im Internet gesehen. Zu der angeblich gewinnbringenden Geldanlage wurde ein Link eingeblendet. „Die Geschädigte rief die Internetseite namens Investhub 3.0 auf und meldete sich an“, berichtete Polizeisprecher Andrzej Rydzik. „Sie wurde unmittelbar danach zunächst von einer Frau und anschließend von einem angeblichen Broker angerufen.“
Persönlicher Kontakt hielt Opfer bei der Stange
Der Betrüger überzeugte die Anlegerin vom angeblichen Investment in Gold, Ölressourcen und Kryptowährungen. Die ersten Überweisungen beliefen sich auf knapp 250 Euro. Doch dann steigerte sich die Summe rapide: „Durch den persönlichen Austausch gelang es den Betrügern, die Frau über Monate hinweg bei der Stange zu halten“, so Rydzik. Sie überwies Beträge von knapp 10.000 Euro bis zu mehr als 460.000 Euro auf verschiedene Konten. Insgesamt verlor die Frau mehr als eine Million Euro.
Misstrauen nach Abbruch der Kontakte
Vergangenen Samstag ging die Frau zur Kriminalpolizei in Chemnitz. Sie war misstrauisch geworden, als die Telefonate mit dem angeblichen Broker plötzlich ausblieben, und ahnte, dass sie einem Betrug aufgesessen war. Sie erstattete Anzeige.
Ermittlungen zu Deepfake und Internetseite
Die Internetseite Investhub 3.0, über die sich das Opfer angemeldet hatte, war am Montag darauf weiterhin verfügbar. Die Kriminalpolizei ermittelt zu dem Deepfake-Video. „Die Ermittlungen stehen noch ganz am Anfang. Die angegebene Homepage wird geprüft“, sagte Polizeisprecher Rydzik. Nun solle geklärt werden, wer hinter der Seite steckt – und ob die Betreiber am Betrug beteiligt sind oder die Seite selbst missbraucht worden sein könnte. Zudem werde geprüft, ob es weitere Opfer des Deepfake-Videos gibt.
Hintergrund: Immer wieder KI-Manipulationen von Prominenten
Immer wieder werden Videos von Prominenten und TV-Formate von Kriminellen genutzt, um die Inhalte mit Künstlicher Intelligenz zu manipulieren. So missbrauchten Kriminelle zuletzt etwa die Identität des bekannten „Schraubenkönigs“ Reinhold Würth, um Social-Media-User in dubiose Investments zu locken, wie der SWR berichtete.



