Sexuelle Deepfakes an Berliner Schule: Staatsanwaltschaft ermittelt
An einer Berliner Schule sorgt ein Fall von sexuellen Deepfakes für Aufsehen. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen, nachdem bekannt wurde, dass unbekannte Täter mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz pornografische Bilder und Videos von Schülerinnen und Schülern erstellt und verbreitet haben. Die betroffene Schule liegt im Bezirk Neukölln, wie die Berliner Morgenpost berichtet.
Das ist passiert: KI-generierte Missbrauchsdarstellungen
Laut Polizei wurden die gefälschten Aufnahmen über soziale Netzwerke und Messengerdienste geteilt. Die Täter nutzten öffentlich zugängliche Fotos der Jugendlichen, um sie mittels KI in sexuelle Szenen einzufügen. Die Bilder zeigen die Gesichter der Schüler auf nackten Körpern. Die Schule informierte die Eltern und schaltete die Polizei ein. Bislang wurden mehrere Anzeigen erstattet.
Welche Strafen drohen den Tätern?
Die rechtliche Einordnung ist komplex. Grundsätzlich können die Täter wegen Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen (§ 201a StGB) belangt werden. Die Verbreitung von Deepfakes kann als „Herstellen und Verbreiten von Missbrauchsdarstellungen“ (§ 184b StGB) gewertet werden, wenn die Opfer unter 18 Jahre alt sind. „Hier drohen Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren“, erklärt eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Berlin. Zudem kommt eine Strafbarkeit wegen Beleidigung und übler Nachrede in Betracht.
Ein besonderes Problem: Die Täter sind oft selbst minderjährig. „Auch Jugendliche ab 14 Jahren sind strafmündig“, betont die Staatsanwaltschaft. Bei unter 14-Jährigen greift das Jugendamt. Die Schule hat zudem pädagogische Maßnahmen ergriffen.
Reaktionen und Prävention
Der Fall hat eine Debatte über den Umgang mit KI-generierten Inhalten an Schulen ausgelöst. Die Berliner Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) kündigte an, dass das Thema „digitale Gewalt“ stärker im Unterricht verankert werden soll. „Wir müssen Schülerinnen und Schüler für die Gefahren von Deepfakes sensibilisieren“, so die Senatorin. Die Polizei bietet zudem Präventionsworkshops an.
Laut einer Studie des Bayerischen Rundfunks haben bereits 15 Prozent der Jugendlichen Erfahrungen mit Deepfakes gemacht – entweder als Opfer oder als Zeugen. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen.
Ausblick
Die Ermittlungen dauern an. Die Polizei sicherte Datenträger und befragt Zeugen. Es wird geprüft, ob die Täter einer organisierten Gruppe angehören. Die Schule hat eine Vertrauenslehrkraft benannt, die den betroffenen Schülern zur Seite steht. Der Fall zeigt, wie dringend die Gesetzgebung an die digitale Realität angepasst werden muss.



