Olympia-Bewerbung: Hamburg raus, Dreikampf um deutsche Kandidatur
Hamburgs Nein: Dreikampf um deutsche Olympia-Bewerbung

Das Scheitern des Hamburger Bürgervotums für eine Olympia-Bewerbung hat die deutschen Pläne für Sommerspiele deutlich verändert. Aus dem ursprünglichen Vierer-Rennen um die nationale Kandidatur für die Jahre 2036, 2040 oder 2044 ist nun ein Dreikampf geworden. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) betont jedoch, dass die bundesweite Unterstützung für Olympische und Paralympische Spiele weiterhin hoch sei.

Rückzug Hamburgs und neue Konstellation

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) zog die Bewerbung der Hansestadt umgehend zurück, nachdem die Bürger klar gegen eine Kandidatur gestimmt hatten. Damit konkurrieren nun München, die Rhein-Ruhr-Region mit Köln als Zentrum und Berlin um den Zuschlag des DOSB. Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein (CDU) betonte die Notwendigkeit, das Konzept mit den größten Erfolgschancen zu identifizieren und international zu überzeugen.

Weiterer Zeitplan und Bewertungskriterien

Die Frist zur Einreichung der Bewerbungsunterlagen beim DOSB endet am Donnerstagabend. München und Rhein-Ruhr haben bereits die klare Zustimmung ihrer Bürger gesichert, während in Berlin das Abgeordnetenhaus mehrheitlich für eine Bewerbung stimmte. In den kommenden Monaten werden der DOSB und die Fachverbände die Bewerbungen anhand einer Matrix bewerten, wobei internationale Strahlkraft und Wirtschaftlichkeit im Fokus stehen. Eine Evaluierungskommission wird eine Empfehlung abgeben, bevor am 26. September eine außerordentliche DOSB-Mitgliederversammlung in Baden-Baden den deutschen Bewerber kürt.

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Auswirkungen des Hamburger Votums

DOSB-Vorstandschef Otto Fricke zeigte sich frustriert über das Nein aus Hamburg, insbesondere nach 19 positiven Bürgerentscheiden zuvor. Die Ablehnung in Deutschlands zweitgrößter Stadt könnte die deutschen Bemühungen beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) vorerst belasten. Der DOSB versucht jedoch, diesen Eindruck zu vermeiden und sieht das Hamburger Votum als Beleg für den richtigen Weg, Bewerbern Referenden zu ermöglichen. Man setzt darauf, dass der Schub aus den erfolgreichen Bürgerentscheiden stärker ist als der Gegenwind aus Hamburg.

Favoriten im nationalen Wettlauf

München geht mit breiter Brust in die finalen Wochen. Der Bürgerentscheid mit 66,4 Prozent Zustimmung war das erste erfolgreiche Referendum zu Sommerspielen weltweit. Die bayerische Landeshauptstadt kann zudem auf das Olympia-Erbe von 1972, ihre Wirtschaftskraft und internationale Bekanntheit verweisen. Berlin punktet als Hauptstadt mit großer Historie und ikonischen Sehenswürdigkeiten, ähnlich wie Paris 2024. Allerdings wirkten die Pläne der Spree-Metropole lange mutlos, und die fehlende Bürgerbeteiligung sowie die Drohung eines Volksentscheids gegen Olympia stellen ein Risiko dar. Rhein-Ruhr hingegen erzielte eine ähnlich hohe Zustimmung wie München und setzt auf einen möglichen Rekord von 14 Millionen Tickets. Allerdings könnte die internationale Bekanntheit der Region geringer sein.

Chancen einer deutschen Bewerbung international

IOC-Mitglied Michael Mronz betonte, dass Deutschland bereit sein müsse, wenn Europa wieder gefragt sei. Indien und Katar gelten als mögliche Kandidaten für 2036, während in Europa Madrid, Budapest und Istanbul Olympia-Pläne haben. Der Norden Großbritanniens prüft eine Bewerbung ab 2040. Der Vergabemodus für künftige Spiele ist noch offen; die neue IOC-Präsidentin Kirsty Coventry hat eine Kommission einberufen, die den Auswahlprozess überprüfen soll. Ergebnisse werden Ende Juni erwartet.

Motive und Kritik an Olympia in Deutschland

Der deutsche Sport benötigt aus Sicht von Fachverbänden, Athletenvertretern und Bundesregierung dringend ein Fernziel mit großer Strahlkraft, um sich finanziell und strukturell besser aufzustellen. Sport-Staatsministerin Schenderlein betonte die Notwendigkeit der Spiele. Kritiker hingegen argumentieren, dass ein solches Großevent zu teuer sei und viele Kosten wie für Sicherheit noch nicht eingerechnet seien. Zudem wird bezweifelt, dass Olympia dem Breitensport hilft.

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