Rudi Völler: Kein Lagerkoller und keine Rasen-Ausreden bei der WM
Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt im Teamquartier der Fußball-Nationalmannschaft in Winston-Salem sprach DFB-Sportdirektor Rudi Völler über die Qualität des WM-Hotels und einen möglichen Lagerkoller. Auch zur Rasenqualität im Trainingsstadion äußerte er sich.
Das Hotel: Kein Luxusresort, aber angenehm
Viel wurde über das deutsche Teamhotel The Graylyn Estate berichtet – von Pracht-Herberge bis Geisterschloss. Die typische Turniersorge, dass sich die Profis in der Abgeschiedenheit in North Carolina bald langweilen könnten, ist schnell ein Thema. Völler wischte alle Zweifel beiseite: „Ich habe schon vor einigen Monaten gesagt, das ist jetzt kein Luxusresort, aber es ist total angenehm. Wir sind unter uns.“ Man habe für die Spieler einiges getan, damit sie sich zwischen den Trainingseinheiten beschäftigen können. Entscheidender Vorteil seien die kurzen Wege zwischen Hotel und Trainingsplatz, betonte auch Bundestrainer Julian Nagelsmann. Sollte die WM für die DFB-Elf in einem Misserfolg enden, will Völler keine Ausreden hören: „Also es wird, egal, wie weit es geht, niemals eine Entschuldigung sein, dass vielleicht das Trainingsgelände oder das Trainingszentrum nicht gut genug waren.“
Lagerkoller-Debatte: Völler sieht sie als überholt
Für Völler, der seit 1986 seine fünfte WM als Spieler, Trainer oder Sportdirektor erlebt, ist die Lagerkoller-Debatte aus der Zeit gefallen. Der entscheidende Unterschied zu seinen Spielerzeiten: „Wir hatten damals kein Internet. Wir hatten keine Handys. Es gab auch kein deutsches Fernsehprogramm. Das war früher komplizierter, glauben Sie mir. Also Lagerkoller, wie wir es früher mal kennen, das gibt's heute überhaupt nicht mehr.“ Im einstigen DFB-Camp in Malente, wo sich die Weltmeister von 1974 vorbereiteten, habe es nicht einmal einen Pool gegeben. „Selbst wenn da ein Pool gewesen wäre, muss man nicht noch mal hin“, sagte Völler über die Sportschule in Norddeutschland.
Rasenqualität: Kein Grund zur Sorge
Das erste Training der DFB-Elf auf dem Platz der Wake Forest University hatte deutliche Spuren auf dem Rasen hinterlassen. Die Sorge, dass das spezielle Grün, das sich von europäischen Grassorten unterscheidet, zum WM-Problem werden könnte, war schnell wieder da. Auch bei der Club-WM im Vorjahr hatte es in den USA Rasen-Debatten gegeben. Völler sieht jedoch keinen Grund für Gras-Alarm: „Ja, man braucht Wasser. Das ist bei diesen Temperaturen dann schon nicht nur zum Trinken, sondern auch auf dem Platz.“ Die Greenkeeper an der Universität würden ganze Arbeit leisten: „Die Leute hier geben sich unglaubliche Mühe.“ Für die WM-Spiele müssten sich die Nationalspieler auf ähnliche Bedingungen mit einem stumpfen Untergrund einstellen. „Natürlich kann es ruhig auch manchmal ein bisschen härter sein. Es kann auch mal ein bisschen trockener sein. Das wird dann in den Stadien auch ähnlich sein“, sagte Völler. Man habe „nichts zu lamentieren“.



