Ein Fahrrad veränderte alles
Muhammad Ali, der unvergessene Boxer und Ikone des 20. Jahrhunderts, wäre heute 80 Jahre alt geworden. Seine Lebensgeschichte ist eine Mischung aus Drama, Thriller und Märchen. Vor zehn Jahren verstarb der „Größte aller Zeiten“ – doch sein Vermächtnis lebt weiter.
Alles begann mit einem gestohlenen Fahrrad in Louisville, Kentucky. Der zwölfjährige Cassius Clay, wie Ali damals hieß, schwor Rache. Polizist Joe Martin riet ihm, erst das Boxen zu lernen. Am nächsten Tag stand Clay in Martins Boxhalle – der Start einer legendären Karriere.
Vom Olympiasieger zum Weltmeister
Mit 18 Jahren gewann Clay bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom die Goldmedaille im Halbschwergewicht. Sein Charisma begeisterte Athleten und Journalisten, sodass er zum „inoffiziellen Bürgermeister des Olympischen Dorfs“ gekürt wurde. Nach dem Wechsel ins Profilager dominierte er den Ring, doch seine prahlerischen Auftritte vor Kämpfen stießen auf Kritik. Für das Amerika der 1960er Jahre war ein selbstbewusster schwarzer Boxer, der sich zum „Größten“ erklärte, eine Provokation.
1964 besiegte Clay Sonny Liston und wurde Weltmeister im Schwergewicht. Kurz darauf legte er seinen „Sklavennamen“ ab, konvertierte zum Islam und nannte sich Muhammad Ali. Fortan machte er keine Kompromisse mehr in seinen Überzeugungen.
Der Kampf gegen die US-Regierung
1967 verweigerte Ali den Wehrdienst im Vietnamkrieg mit den Worten: „I ain‘t got no quarrel with them Viet Cong.“ Die US-Regierung reagierte hart: Fünf Jahre Gefängnis, 10.000 Dollar Strafe, Entzug der Boxlizenz und Aberkennung des WM-Titels. Ali verlor Millionen und seine besten sportlichen Jahre. Doch er blieb standhaft, zog vor den Obersten Gerichtshof und wurde 1971 freigesprochen. Damit wurde er zum Helden des schwarzen Amerika und zum Symbol des Widerstands.
Rivalitäten und legendäre Kämpfe
Ali prägte die Boxgeschichte mit unvergessenen Duellen. Der „Kampf des Jahrhunderts“ 1971 gegen Joe Frazier endete mit einer Niederlage, doch Ali revanchierte sich 1974 im „Rumble in the Jungle“ gegen George Foreman, den er durch seine Taktik des „Rope-a-Dope“ besiegte. 1975 folgte der brutale „Thrilla in Manila“ gegen Frazier, den Ali für sich entschied. Diese Kämpfe machten ihn sportlich unsterblich.
Privates Leben und Gesundheit
Ali war viermal verheiratet und Vater von neun Kindern. Seine erste Ehe mit Sonji Roi hielt nur kurz, da sie nicht den muslimischen Vorstellungen entsprach. Mit Belinda Boyd fand er eine fromme Ehefrau, doch Ali blieb ein Womanizer. Erst die vierte Ehe mit Yolanda Williams hielt bis zu seinem Tod.
1984 wurde bei Ali das Parkinson-Syndrom diagnostiziert. Die Krankheit raubte ihm seine Beweglichkeit und Sprache, doch er kämpfte weiter. „Das Boxen war nur die Umkleidekabine“, sagte er und widmete sich humanitären Aufgaben.
Der Botschafter des Friedens
Ali nutzte seinen Ruhm, um sich für Schwache einzusetzen. Er reiste trotz seiner Krankheit um die Welt, kämpfte gegen Rassismus, Hunger und Armut. 2002 ernannten ihn die Vereinten Nationen zum „Botschafter des Friedens“. 1991 reiste er in den Irak und überzeugte Saddam Hussein, 15 amerikanische Geiseln freizulassen.
„Die einzig wahre Religion ist die des Herzens“, vertraute Ali seiner Tochter Hana an. Am 3. Juni 2016 hörte sein Herz auf zu schlagen. Doch der Geist des Größten lebt weiter – als Symbol für Mut, Menschlichkeit und Unbeugsamkeit.



