McLaren feiert in Monte-Carlo ein besonderes Jubiläum: Das Team hat offiziell sein 1.000. Formel-1-Rennen absolviert – auch wenn es sich dabei um einen kleinen statistischen Trick handelt. Streng genommen war der Grand Prix von Monaco erst der 999. Einsatz für den Rennstall, doch das stört auf der Partymeile entlang des Fahrerlagers und auf den luxuriösen Jachten niemanden. Besonders nicht Titelverteidiger Lando Norris, der nach seinem Sieg im Vorjahr gerne erneut in der Fürstenloge jubeln würde. „Ich weiß, wie viel Glück ich habe, Teil dieser Reise zu sein“, sagt der 26-Jährige.
Norris‘ stolze Statistik
Mit 156 Rennen im McLaren hat Norris mehr Grands Prix für das Team absolviert als jeder seiner prominenten Vorgänger – von Ayrton Senna über Alain Prost bis Lewis Hamilton. „Ich mag Statistiken nicht, aber auf diese bin ich stolz. Meinen Namen zusammen mit so vielen Größen zu sehen, ist großartig. Ich bin ein glücklicher Junge“, betont Norris. In dieser Saison halten sich die Glücksmomente für den Weltmeister jedoch in Grenzen. Mit 73 Punkten Rückstand auf WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli von Mercedes geht Norris in den sechsten Saisonlauf am Sonntag (15.00 Uhr, RTL und Sky). Eine Panne vor dem Start in China und zuletzt ein Ausfall in Kanada trüben die Aussichten auf eine erfolgreiche Titelverteidigung. „Wir sind wohl nicht ganz auf dem Level von 2025“, räumt Norris ein.
McLarens Debüt vor 60 Jahren
Die große Technik-Reform vor dieser Saison hat der Renaissance des berühmten Rennstalls vorerst eine Delle verpasst. Nach Jahren im Mittelmaß holte McLaren 2024 und 2025 wieder die Konstrukteurstitel – insgesamt sind es nun zehn. Dazu kommen 13 Fahrer-Kronen und 203 Rennsiege. Erfolgreicher ist nur Ferrari, die Scuderia erreichte als einziges Team bereits 2020 die Marke von 1.000 Rennen. „Ich habe immer noch eine Schwäche für McLaren. Es ist toll, wie sie es wieder rumgedreht haben“, sagt Rekordweltmeister Hamilton, der seinen ersten Titel im McLaren gewann und nun für Ferrari fährt.
Die glänzende Historie von McLaren hätte wohl selbst die kühnsten Träume des Gründers Bruce McLaren übertroffen. Vor 60 Jahren steuerte der Neuseeländer in Monte-Carlo erstmals ein Auto unter seinem Namen in einem Formel-1-Rennen – das Ziel erreichte er nicht. „In unserer Vergangenheit hat dieses Team stets Kampfgeist und Entschlossenheit bewiesen, ob in Erfolgszeiten oder in schwierigen Phasen. McLaren gibt niemals auf“, sagt Geschäftsführer Zak Brown.
Kleiner Rechentrick für den Meilenstein
Eine Sonderlackierung für Monaco und den WM-Lauf in Barcelona eine Woche später soll an wichtige Meilensteine der Teamgeschichte erinnern. In Spanien macht McLaren streng genommen erst die 1.000 Rennen voll, da die Autos des Teams 2005 beim Reifenskandal von Indianapolis offiziell nicht starteten. Der Blick von Norris und seinen Kollegen richtet sich jedoch nach vorn. „Wir wollen immer noch in die Wochenenden mit dem Glauben gehen, dass wir die Pole Position und den Sieg erreichen können. Diese Chance haben wir uns gegeben“, sagt der Champion. Der Sprintsieg in Miami und zwei weitere Podiumsplätze deuteten im Mai zumindest einen Aufwärtstrend an.
Umso schmerzhafter war der verkorkste Grand Prix in Montreal, als Norris zunächst die falsche Reifenwahl zurückwarf und nach der Hälfte des Rennens das Getriebe streikte. Mit einer Partie Golf in Indianapolis mühte sich der Brite um Frustbewältigung, ehe es nun in der Europa-Saison der Motorsport-Königsklasse Schlag auf Schlag geht. In den sechs Rennen bis zur Sommerpause Ende Juli können sich Norris und sein Team keine groben Schnitzer mehr erlauben, wenn es mit Titel Nummer zwei in diesem Jahr noch etwas werden soll. „Eine Weltmeisterschaft ist schon ziemlich toll, aber viele andere und viele von den Fahrern, die jeder kennt, haben viel mehr erreicht. Ich will auf jeden Fall auf dieselbe Stufe wie sie kommen“, sagt Norris.



