Proteste vor der WM in Mexiko: Lehrer und Vermissten-Angehörige machen Druck
Eine Woche vor der Eröffnungsfeier der Fußball-Weltmeisterschaft im Aztekenstadion in Mexiko-Stadt kommt es in der Hauptstadt zu massiven Protesten. Streikende Lehrer haben bereits Fußballer-Skulpturen an der Prachtstraße Paseo de la Reforma umgestürzt und blockieren wichtige Straßen. „Wenn es keine Lösung gibt, wird der Ball nicht rollen“, warnen die Demonstranten.
Die Lehrer fordern bessere Arbeitsbedingungen und höhere Gehälter. Sie haben im historischen Zentrum ein Zeltlager errichtet und protestieren vor dem Bildungsministerium, wo sie Fenster zerschlugen. Die Polizei verhinderte zunächst, dass sie zum zentralen Zócalo-Platz vordringen, auf dem das FIFA-Fan-Fest stattfinden soll. Dort will sich Präsidentin Claudia Sheinbaum das Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Südafrika auf einer Großbildleinwand ansehen. Der Platz ist derzeit mit meterhohen Metallzäunen abgesperrt.
Weitere Protestgruppen planen Aktionen
Neben den Lehrern kündigen auch Angehörige von rund 130.000 vermissten Menschen Proteste an, darunter die Angehörigen der 43 seit 2014 verschwundenen Studenten des Lehrerseminars von Ayotzinapa. Auch Bauern und Kraftfahrer wollen Straßenblockaden errichten. Sie alle nutzen die internationale Aufmerksamkeit durch die WM, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen.
Mexiko ist Mitgastgeber der WM und trägt 13 von 104 Spielen aus. Die Spiele finden in Mexiko-Stadt, Monterrey und Guadalajara statt. Rund um die Stadien sind Demonstrationen geplant.
Sicherheitsbedenken nach Kartellgewalt
Bereits im Februar sorgte die Festnahme und Tötung eines Drogenkartell-Anführers für Unruhe. Bei gewalttätigen Auseinandersetzungen kamen rund 70 Menschen ums Leben. Nun bereiten die sozialen Proteste der Regierung zusätzliche Sorgen. Präsidentin Sheinbaum sprach auf einer Pressekonferenz von Provokationen: „Sie provozieren und wollen, dass wir handeln und die Proteste niederschlagen.“ Die Regierung steht vor der Herausforderung, Sicherheit und Demonstrationsfreiheit zu gewährleisten.



