Der 1. FC Union Berlin trauert um seinen langjährigen Manager Pedro Brombacher, der im Alter von 88 Jahren verstorben ist. Wie seine Familie heute mitteilte, starb Brombacher bereits am 22. Mai. Die Trauerfeier soll im engsten Familien- und Bekanntenkreis am 10. Juli stattfinden.
Brombacher war eine der schillerndsten Persönlichkeiten in der 60-jährigen Vereinsgeschichte des 1. FC Union. Zwischen 1984 und 1993 war er für den Klub tätig. Vor der Wende arbeitete er ehrenamtlich in einem Job bei der SED-Bezirksleitung. Der damalige Union-Kapitän Olaf Seier berichtete in den 2010er-Jahren, dass Brombacher in der Lage war, Autos, Wohnungen und Grundstücke zu beschaffen. Nach dem Mauerfall agierte Brombacher als Manager des Vereins.
Der Lizenzskandal von 1993
1993 geriet Brombacher auf tragische Weise in den Fokus der Öffentlichkeit. Er stellte jene verhängnisvollen Lizenzunterlagen zusammen, die wegen einer gefälschten Bankbürgschaft über eine Million D-Mark den sportlich bereits realisierten Aufstieg in die 2. Bundesliga verhinderten. Dies würde heute einer vergleichsweise geringen Summe von rund 500.000 Euro entsprechen.
Brombacher gab damals zu, das entsprechende Fax mit der Bürgschaft von der Union-Geschäftsstelle in der Hämmerlingstraße in Berlin-Köpenick an den DFB abgeschickt zu haben. Obwohl der FCU nach dem Stichtag das Geld beschafft hatte und die Fans bei zahlreichen Protestaktionen 15.000 Unterschriften sammelten, verweigerte der DFB-Liga-Ausschuss am 2. Juli 1993 nach fünf Verhandlungstagen die Lizenz. Union scheiterte mit seiner Berufung am 9. Juli 1993. Am 22. Juli 1993 bestätigte das Neutrale Schiedsgericht des DFB den Lizenzentzug.
Entlassung und Verurteilung
Brombacher wurde in den folgenden Monaten nach und nach aus dem Amt gedrängt und am 11. Oktober 1993 fristlos entlassen. 1994 musste er sich vor dem Schöffengericht in Berlin-Tiergarten verantworten. Er erhielt eine Strafe in Höhe von 9000 Euro und wurde auf Bewährung verurteilt. Brombacher sagte dazu 2012: „Die Geschichte ist bis heute nicht aufgeklärt. Ich bin 1994 für das Weiterleiten einer gefälschten Bankbürgschaft gerichtlich verurteilt worden. Es wurde aber ausdrücklich gesagt, dass ich mich nicht als vorbestraft fühlen brauche. Niemand konnte nachweisen, dass ich die Bürgschaft gefälscht habe. Und dass ich sie unwissentlich weitergegeben habe, wurde von mir nie bestritten.“
Leben nach Union
Nach zweijähriger Arbeitslosigkeit arbeitete Brombacher bis ins hohe Alter in der Getränkebranche als Lagerarbeiter und Lagerist. Die Entwicklung des 1. FC Union Berlin fand er „sensationell“. Nun ist Brombacher gestorben. Der Mythos um die gefälschte Bankbürgschaft wird weiterleben.



