Die Stimmung in der niederländischen Nationalmannschaft ist nach dem 5:1-Erfolg gegen Schweden bestens. Auf der Trainingsanlage des Frauen-Fußball-Clubs Kansas City Current wird viel gelacht. Doch dieses positive Bild passt nicht zur Atmosphäre unter den Experten in der Heimat. Denn wie bei jedem großen Turnier gibt es auch diesmal reichlich Kritik an der Elftal.
Auftaktpleite und Kantersieg: Kritik bleibt
Nach dem 2:2-Unentschieden gegen Japan zum WM-Auftakt mussten Bondscoach Ronald Koeman und Kapitän Virgil van Dijk heftige Kritik einstecken. Selbst nach dem spektakulären 5:1 gegen Schweden fanden die Experten neue Angriffspunkte – diesmal traf es Mittelfeldstratege Frenkie de Jong. Ihm wird vorgeworfen, zu wenige Pässe in die Tiefe zu spielen und damit die schnellen Angreifer nicht in Szene zu setzen.
De Jong wehrte sich mit deutlichen Worten: „Ich habe das Gefühl, dass viele Menschen eigentlich nicht viel vom Fußball verstehen. Sie schauen wohl zu, aber sie sehen nicht viel“, sagte der 29-Jährige. Er forderte mehr Anerkennung für die Spieler: „Ich denke, dass wir in den Niederlanden insgesamt etwas mehr Anerkennung für unsere Spieler haben könnten. Natürlich ist Kritik in Ordnung, wenn jemand ein schlechtes Spiel gemacht hat. Aber wir haben sehr viele Spieler, die schon seit Jahren auf Topniveau spielen.“
Van der Vaart vs. van Dijk: Klopp schaltet sich ein
Besonders hart ins Gericht mit dem Abwehrchef ging Ex-Profi Rafael van der Vaart nach dem Japan-Spiel. „Ich muss ehrlich sagen, dass ich ein bisschen erschrocken war über van Dijk. So wie er sich dreht … Er war ein bisschen wie eine Boeing 747“, sagte der frühere Spielgestalter des Hamburger SV. Diese Aussage rief sogar Jürgen Klopp auf den Plan. Der ehemalige Liverpool-Trainer, der van Dijk einst coachte, sagte bei Magenta TV: „Ich weiß gar nicht, ob es überhaupt die Mühe wert ist, Rafael van der Vaart zu nennen. Aber wenn er irgendwann einmal positiv über einen Spieler redet, dann bin ich bereit, ihn wieder ernst zu nehmen.“
Dumfries: Titelkandidat trotz Kritik
Defensivspieler Denzel Dumfries, der vor einem Wechsel zu Real Madrid steht, lenkte den Blick lieber nach vorne. Er verwies auf die gute Stimmung im Team und zeigte sich überzeugt, dass die Kritiker noch reichlich Gelegenheit haben werden, ihre Meinungen zu ändern. „Natürlich muss alles passen. Aber ich bleibe dabei: Wenn wir uns weiter auf unsere Dinge konzentrieren, dann sind wir ganz klar ein Titelkandidat“, so Dumfries.
Das Verhältnis zwischen der Elftal und der niederländischen Expertenriege ist seit jeher ein besonderes. Ein reiner Ergebnis fußball reicht im Land des Europameisters von 1988 meist nicht aus. Es muss auch schöner Fußball sein. Bleibt dieser aus, hagelt es Kritik – egal, ob zuvor ein 5:1 gelang. Das Team von Koeman steht zwar bereits so gut wie sicher in der K.o.-Runde, doch die Debatten in der Heimat reißen nicht ab.



