Magdeburg – Nach den schweren Ausschreitungen rund um das Zweitligaspiel zwischen dem 1. FC Magdeburg und Dynamo Dresden Ende Januar hat die Staatsanwaltschaft nun Anklage wegen versuchten Mordes gegen Max R. (29) erhoben. Dem Bodybuilding-Champion aus Aschersleben wird unter anderem versuchter Mord aus niedrigen Beweggründen vorgeworfen. Darüber hinaus muss er sich wegen besonders schweren Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung sowie eines besonders schweren Angriffs auf Vollstreckungsbeamte verantworten. Der Beschuldigte wurde bereits am 28. Januar festgenommen und befindet sich weiterhin in Untersuchungshaft.
Der Vorwurf: Angriff mit Pflasterstein
Laut Staatsanwaltschaft soll der 29-Jährige beim Derby Polizisten angegriffen und versucht haben, einen Beamten zu töten. Im Verlauf der Ausschreitungen habe er einen etwa 15 Kilogramm schweren Pflasterstein aus nächster Nähe mit voller Wucht auf die Polizeikette geschleudert. Der Stein traf einen Polizisten am Kopf und verletzte ihn. Die Anklagebehörde geht davon aus, dass Max R. zumindest billigend in Kauf nahm, dass der Wurf tödliche Folgen haben könnte – aufgrund der Wucht, des Gewichts des Steins und der geringen Entfernung.
Hintergrund: Hochrisikospiel mit 70 verletzten Beamten
Die Partie zwischen dem 1. FC Magdeburg und Dynamo Dresden war als Hochrisikospiel eingestuft worden. Rund 250 FCM-Anhänger attackierten am letzten Januar-Wochenende in der Avnet-Arena Einsatzkräfte der Landespolizei. Die Angreifer trugen blau-weiße Sturmhauben, als sie die Beamten mit Pyrotechnik, Steinen, Absperrgittern, Mülltonnen, Stühlen und sogar einem Gullydeckel bewarfen. Die Bilanz: 70 verletzte Polizisten. Zur Identifizierung der Täter richtete die Polizeiinspektion Magdeburg die 30-köpfige Ermittlungsgruppe „Umlauf“ ein.
Die Aufklärung: Fitnessstudio als Schlüssel
Die Hooligans fühlten sich durch Vermummung mit Sturmhauben und Schals sicher. Doch vier Tage nach den Ausschreitungen stürmten schwer bewaffnete SEK-Beamte das Elternhaus von Max R. und überwältigten den überraschten Ascherslebener. Der entscheidende Hinweis kam von einem Polizisten, der den Bodybuilder aus dem Fitnessstudio kannte. In Max R.s Wohnort im Salzlandkreis befindet sich die Fachhochschule der Polizei Sachsen-Anhalt, nur 300 Meter Luftlinie von seinem Elternhaus entfernt. Der 29-Jährige trainierte jahrelang in einem 24-Stunden-Club, in dem sich überwiegend Polizeianwärter fit halten. Ein Polizeibeamter, der bei den Ausschreitungen im Stadion im Einsatz war, erkannte den Beschuldigten trotz Vermummung wieder. „Ein Kollege gab den entscheidenden Tipp. Er erkannte den Beschuldigten aus dem Fitnessclub“, bestätigt ein mit dem Fall vertrauter Beamter.



