Der Kampf des 1. FC Köln um den dringend benötigten Ausbau der Trainingszentrale am Geißbockheim nimmt immer skurrilere Formen an. Nun wurde der Verein erneut brutal ausgebremst: Die entscheidende Verhandlung vor dem Oberverwaltungsgericht in Münster (OVG) wurde kurz vor knapp abgesagt. Der Grund sorgt hinter den Kulissen für Fassungslosigkeit.
Kölns Bosse um Geschäftsführer Philipp Türoff und Präsident Jörn Stobbe (60) waren zuversichtlich, dass das seit über einem Jahr erwartete OVG-Urteil an diesem Donnerstag endlich zugunsten des Vereins ausfallen würde. Man hoffte auf eine Vorentscheidung – und kassierte erneut eine deftige Klatsche.
Keine 24 Stunden vor der angesetzten Verhandlung sagte das Gericht den Termin am Mittwoch völlig überraschend ab. Die Begründung: „Am heutigen Nachmittag ist eine Stellungnahme der Antragsteller zu Artenschutzfragen eingegangen, die weitere Aufklärung erfordert.“ Konkret hatten die FC-Gegner vom BUND NRW und der Bürgerinitiative „Grüngürtel für alle“ kurzfristig ein neues Gutachten eingereicht. Dabei geht es erneut um den Artenschutz im Kölner Grüngürtel – konkret um Libellen, Tagfalter und Grashüpfer. Das OVG will dieses Gutachten prüfen. Wann ein neuer Verhandlungstermin angesetzt wird, steht in den Sternen.
Das Geißbockheim ist die wohl bekannteste Vereinszentrale der Bundesliga. Der erneute Rückschlag ist für den Bundesligisten besonders bitter, denn er kämpft seit inzwischen zwölf Jahren um das Bauprojekt. Die ursprüngliche Planung sah den Bau eines Nachwuchsleistungszentrums direkt am Geißbockheim vor sowie den Neubau von Trainings- und Kleinfeldplätzen auf der benachbarten Gleueler Wiese im Kölner Grüngürtel.
Aufgrund der Klagen hatte das OVG in Münster bereits 2022 ein erstes Urteil gegen den FC gesprochen, das im April 2024 jedoch vom Bundesverwaltungsgericht in Leipzig einkassiert und zur erneuten Entscheidung zurückverwiesen wurde. Diese Entscheidung lässt nun weiter auf sich warten. Für den FC bedeutet dies, dass selbst ein ohnehin schon optimistisch geplanter Baubeginn im Jahr 2027 kaum noch zu halten sein dürfte. Mehr noch: Der Verein muss nun genau überlegen, ob nach ohnehin schon verschenkten Jahren nicht ein Schlussstrich angebracht ist. Das Ursprungsprojekt auf der Gleueler Wiese scheint zum Scheitern verurteilt zu sein. Köln wäre wahrscheinlich gut beraten, stattdessen das längst mit der Stadt ausgearbeitete Alternativprojekt mit Satellitenplätzen außerhalb des Geißbockheims voranzutreiben.



