Fast 22 Stunden nach dem Schock meldete sich Christian Eriksen erstmals selbst zu Wort. „Ich möchte jeden wissen lassen, dass es mir gut geht und dass ich zu Hause mit meiner Familie bin“, schrieb Dänemarks Fußball-Star auf Instagram. Der Profi des VfL Wolfsburg war am Sonntagabend während eines Länderspiels gegen die Ukraine erneut auf dem Spielfeld zusammengebrochen. Obwohl Eriksen diesmal schnell wieder bei Bewusstsein war und sogar aus eigener Kraft zu einem Krankenwagen gehen konnte, kamen sofort die Erinnerungen an die Europameisterschaft 2021 in Kopenhagen hoch: Dort erlitt er einen Herzstillstand im ersten Spiel gegen Finnland, musste auf dem Rasen wiederbelebt werden und erhielt kurz darauf einen Herzschrittmacher implantiert.
Die erste Reaktion von Eriksen
„Wie sich jeder vielleicht vorstellen kann, hat es erhebliche Auswirkungen für mich und meine Familie, einen Schock von meinem ICD (Defibrillator) zu bekommen“, schrieb Eriksen. Die Situationen von 2021 und heute seien zwar „unterschiedlich“, dennoch stellen sich viele die Frage: Wie geht es jetzt weiter? Wird er noch einmal spielen? Und wenn ja, was machen solche Momente mit ihm, seiner Familie und seinen Mitspielern?
Update zum Gesundheitszustand
Der dänische Fußball-Verband DBU gab bereits kurz nach dem Zusammenbruch erste Entwarnung. Diesen Eindruck bestätigten der Teamarzt und Eriksen selbst am Tag danach. „Ich fühle mich gut und meine Genesung hat bereits begonnen“, schrieb der 34-Jährige bei Instagram. Sein Fokus liege nun darauf, „mich zu erholen, Zeit mit meiner Familie zu verbringen, in den Urlaub zu fahren und Fußball mit meinen Kindern zu spielen.“
Mögliche Ursachen des Zusammenbruchs
Eine genaue Diagnose steht noch aus. Der dänische Teamarzt Morten Boesen deutete jedoch an, dass Eriksens Herzrhythmus erneut gestört gewesen sein könnte, was den Zusammenbruch auslöste, und der Defibrillator daraufhin einen Stromstoß abgab, der seinen Zustand normalisierte. „Mein ICD hat genau das getan, wofür er entwickelt wurde: Mich zu schützen, als ich ihn brauchte“, schrieb Eriksen dazu. Dänische Medien zitieren jedoch auch den Forschungsleiter des dänischen Kardiologen-Verbandes, der eine andere Möglichkeit ins Spiel bringt: Dehydrierung oder eine leichte Erkrankung könnten einen zu schnellen Herzrhythmus und dann den Herzschrittmacher ausgelöst haben. Nach dieser These könnte der Defibrillator selbst der Auslöser gewesen sein, denn ein kleiner Stromstoß könne sich anfühlen, „als würde man einen Tritt von einem Pferd gegen die Brust bekommen“, so Professor Gunnar Gislason.
Teamarzt Boesen stellte klar, dass es in den vergangenen Wochen und Monaten keine Anzeichen für ein Herzproblem gab. „Dann hätten wir ihn nicht spielen lassen“, sagte er.
Reaktion des VfL Wolfsburg
Eriksen war erst im vergangenen September zum VfL Wolfsburg gewechselt, nach Stationen bei Manchester United und Inter Mailand. Eigentlich waren für diese Woche Gespräche geplant, ob der dänische Rekordnationalspieler auch nach dem Bundesliga-Abstieg weiter für den Volkswagen-Club spielen will. Diese Gespräche sind vorerst zurückgestellt. „Im ersten Moment war es ein Schock, weil wir alle die Bilder von 2021 noch vor Augen haben“, sagte Wolfsburgs Sport-Geschäftsführer Dieter Hecking am Montag. „Wir haben unmittelbar Kontakt zum Mannschaftsarzt der dänischen Nationalmannschaft aufgenommen, der uns umfassend informiert hat. Wir stehen nach wie vor in engem Austausch, auch mit Christian direkt. Wir sind erleichtert, dass es ihm den Umständen entsprechend gut geht und warten jetzt die weitere Entwicklung ab. Unsere Gedanken sind bei ihm und seiner Familie. Er bekommt unsere vollste Unterstützung.“
Wie geht es weiter für Eriksen?
Nach seinem Herzstillstand bei der EM 2021 war für Eriksen schnell klar: Er will seine Karriere unbedingt fortsetzen. Er möchte als Fußballer in Erinnerung bleiben und nicht nur als derjenige, der auf einem Spielfeld zusammenbrach. Mittlerweile ist er fünf Jahre älter, und selbst der dänische Sportdirektor Peter Möller sagte: „Ich finde es absolut legitim, danach zu fragen. Aber ich weiß es nicht. Es liegt an Christian, einzuschätzen, was er möchte.“
Emotionale Auswirkungen auf das Team
Der Sonntagabend brachte alle in einen emotionalen Ausnahmezustand. Eriksens Ehefrau Sabrina Kvist Jensen musste 2021 von seinen Mitspielern gestützt werden und begleitete ihren Mann auch diesmal ins Krankenhaus. Bilder zeigen dänische Mitspieler wie Joakim Maehle (Wolfsburg) oder Andreas Christensen (FC Barcelona), die schon vor fünf Jahren dabei waren und auch diesmal auf dem Rasen in Tränen ausbrachen. „Wir haben sichergestellt, dass niemand allein nach Hause fährt“, sagte Möller. „Die Spieler reisen entweder mit ihren Eltern oder ihrer Familie ab oder gemeinsam als Gruppe.“ Zudem bietet der dänische Verband psychologische Hilfe an, wie schon bei der EM 2021. „Das Team um den Krisenpsychologen steht bereit. Und es liegt am einzelnen Spieler, den Kontakt zu suchen. Vielleicht verspürt ein Spieler erst nach zwei oder drei Tagen das Bedürfnis, mit jemand anderem als seiner Familie zu sprechen.“



