Es gibt angenehmere Zeitpunkte für entscheidende Spiele einer WM-Qualifikation. Wenn die Fußballerinnen des deutschen Nationalteams zunächst am Freitag Norwegen empfangen und vier Tage später nach Slowenien reisen, ist die Saison in den nationalen Ligen schon lange vorbei. Der letzte Spieltag der französischen Liga ist bereits einen Monat her, der in der Bundesliga und der englischen Premier League war vor knapp drei Wochen. Zwar standen noch Finalspiele im Pokal oder der Champions League an, für den Großteil des DFB-Teams liegt das letzte Pflichtspiel allerdings einige Zeit zurück.
Vorbereitung in Köln: Alle auf ein Level bringen
Und so ging es in den ersten Tagen in Köln, wo sich das Team von Bundestrainer Christian Wück auf das dortige Heimspiel (Freitag, 20.35 Uhr, ARD) vorbereitet, vor allem darum, alle Spielerinnen wieder auf das gleiche Level zu bringen. „Wir kennen das schon von der EM im letzten Jahr. Die Spielerinnen haben unterschiedliche Leistungsstände“, sagte Wück bei der Nominierung. „Aber es ist auch unheimlich wichtig, dass sie mental abschalten und durch einen Kurzurlaub zu frischen Kräften kommen konnten.“
Druck nach enttäuschendem Remis in Österreich
Spätestens seit Mittwoch habe der Fokus laut Linda Dallmann dann ganz spezifisch auf Norwegen gelegen, schließlich geht es um nicht weniger als die Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Brasilien in einem Jahr. „Die Ausgangssituation ist nach dem 0:0 in Österreich ein bisschen schwieriger, das liegt größtenteils an uns“, sagte die Spielerin des FC Bayern. „Wir haben kein gutes Spiel dort gezeigt, deshalb stehen wir jetzt etwas unter Druck.“ Heißt im Klartext: Sollte Deutschland gegen Norwegen unterliegen, verliert man die Tabellenführung und müsste bei einem weiteren Sieg der Norwegerinnen zum Abschluss der Qualifikation in die Play-offs. „Das beschäftigt uns aber nicht großartig. Vielleicht ist es sogar ganz gut, dass wir jetzt als relativ junge Mannschaft auch mal in die Situationen unter Druck gehen müssen“, meinte Dallmann, die neben Klara Bühl, Lea Schüller und Kathrin Hendrich zu den erfahrensten Nationalspielerinnen im Kader gehört.
Rückkehrerinnen sollen Defensive stabilisieren
Dass Bühl und Hendrich zurückkehren, dürfte für das zweite Duell mit Norwegen Selbstvertrauen geben. Beide fehlten zuletzt verletzungsbedingt und bestritten ihr letztes Länderspiel im vergangenen Dezember im Finale der Nations League gegen Spanien. Zwar startete die deutsche Elf in der anschließenden WM-Quali auch ohne sie furios mit zwei Kantersiegen gegen Slowenien (5:0) und Norwegen (4:0), offenbarte bei aller offensiven Qualität allerdings immer wieder Lücken in der Defensive. Beim Auftritt in Österreich im vergangenen April häuften sich in der Schlussphase die Ungenauigkeiten mit Ball, sodass letztlich die Gegnerinnen näher am Sieg waren als Deutschland. Durch die jüngsten Ausfälle der Stammspielerinnen Franziska Kett, Giulia Gwinn und Janina Minge (Rote Karte) ist die Ausgangssituation in der Abwehr noch angespannter.
Hendrich und Kleinherne als Hoffnungsträgerinnen
Umso wichtiger erscheinen die Rückkehr von Hendrich und Sophia Kleinherne in der Innenverteidigung sowie Marie Müller auf der Position der Außenverteidigerin. „Wir haben am Ende der Saison gemerkt, dass die ein oder andere auf ihr Level zurückgekommen ist“, sagte Trainer Wück. „Ich sehe da zum Beispiel Kathrin Hendrich und Sophia Kleinherne, die wieder Spiele über 90 Minuten in ihren Vereinen absolviert haben. Deshalb können sie bei uns auch wieder eine wichtige Rolle spielen.“
Norwegen ohne Topspielerinnen – aber dennoch gefährlich
Auf der anderen Seite fehlen den Norwegerinnen mit Ada Hegerberg und Frida Maanum Topspielerinnen in der Offensive. Das Team von Trainerin Gemma Grainger dürfte der deutschen Elf mit seinem temporeichen Umschaltspiel dennoch das Leben schwer machen. Im Hinspiel in Stavanger kaschierte Deutschland seine defensive Schwäche, indem es sich hocheffektiv vor dem Tor präsentierte und zu den richtigen Zeitpunkten die Tore erzielte.
Klarer Anspruch: WM-Ticket fix machen
Ebenso fulminant soll es nun auch in Köln laufen – trotz der schwierigen Vorbereitung. „Wir haben den klaren Anspruch und wissen um unsere Qualität, dass wir es am Freitag fix machen wollen“, sagte Kleinherne. „Unsere einzige Priorität ist es, das WM-Ticket in dieser Maßnahme zu lösen, um gar nicht die Extrarunde drehen zu müssen.“ Sollte das gelingen, kann der anschließende Urlaub sicher mehr genossen werden.



