Viel brauchte es nicht, um das Publikum in Mainz in Wallung zu bringen. Ein einziges Tor reichte. Deniz Undav hatte gerade das 1:0 für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gegen Finnland erzielt, da wurde von den Rängen die Welle der Begeisterung durch das Stadion geschickt. In einer Zeit, in der im Land vergeblich nach der WM-Euphorie gefahndet wird, war das schon mal nicht das schlechteste Zeichen.
Ein Test mit besonderem Wert
Für den 4:0-Sieg der Nationalmannschaft am Sonntag in Mainz gab es keine Punkte und keinen Pokal. Und doch war dieses Spiel von ausgesuchtem Wert. Es war der erste Test in der unmittelbaren Vorbereitung auf die in zehn Tagen beginnende Weltmeisterschaft in den USA (und zugleich der vorletzte). Es war mithin eine erste Prüfung für den aktuellen Leistungsstand des Teams, nachdem die Saison im Verein für einige Spieler bereits vor zwei Wochen zu Ende gegangen war.
Gegner mit begrenzter Satisfaktionsfähigkeit
Zugleich aber war es auch ein Spiel, in dem die Nationalmannschaft nicht viel gewinnen, dafür umso mehr verlieren konnte. Finnland war schließlich ein Gegner, der sich als nur bedingt satisfaktionsfähig herausstellte. Gewinnen die Deutschen, heißt es: Na ja, Finnland ist ja auch ein Gegner, der nur bedingt satisfaktionsfähig ist … Tun sich die Deutschen hingegen schwer, verlieren gar, wie es in der Vergangenheit unmittelbar vor einem großen Turnier schon gegen Ungarn oder die Slowakei passiert ist, dann ist der Jammer im Land groß. Insofern ist es für die Mannschaft von Bundestrainer Julian Nagelsmann gegen Finnland wirklich gut gelaufen. Sie hat dem Fußballvolk keine neuen Gründe geliefert, der WM mit Zweifeln oder gar Sorgen entgegenzublicken. Es ist zumindest nichts kaputtgegangen, am Sonntag in Mainz.
Schwierigkeiten gemeistert
Die Nationalmannschaft hat sogar ein paar Schwierigkeiten überwunden, die ihr auch bei der WM begegnen könnten: Sie hat einen Gegner bezwungen, der es ausschließlich auf die Verteidigung des eigenen Tores abgesehen hatte. Im ersten Gruppenspiel gegen Curaçao wird es kaum anders sein. Und sie hat diese Aufgabe – von einigen wenigen Phasen abgesehen – mit der nötigen Geduld und letztlich erfolgreich erledigt. Bundestrainer Nagelsmann hatte am Ende wenig zu kritisieren. Das Einzige, was er seiner Mannschaft später vorhielt, war, dass sie „manchmal zu viel Lust“ auf der Jagd nach Toren zeige. Es war ein Vorwurf, der schon fast in Gestalt eines Kompliments daherkam.



