Vingegaard triumphiert im Mannschaftszeitfahren
Jonas Vingegaard hat den Auftakt der 112. Tour de France mit einem Sieg im Mannschaftszeitfahren in Barcelona gekrönt und damit ein starkes Zeichen an seinen Rivalen Tadej Pogacar gesendet. Der 29-jährige Däne vom Team Visma-Lease a Bike setzte sich auf der 19,6 Kilometer langen Strecke mit acht Sekunden Vorsprung vor dem Italiener Filippo Ganna durch. Pogacar, der als Topfavorit gilt, wurde Dritter mit zwölf Sekunden Rückstand. „Die Tour ist natürlich noch lang, aber das ist der perfekte Start“, sagte Vingegaard nach dem Rennen. „Meine Teamkollegen haben heute einen fantastischen Job gemacht. Sie waren so stark. Ich musste ehrlich gesagt gar nicht viel tun. Sie haben mich einfach fast bis ans Ziel begleitet.“
Lipowitz und Evenepoel mit gemischten Gefühlen
Der deutsche Hoffnungsträger Florian Lipowitz, der im Vorjahr Dritter wurde, belegte mit seinem Team Red Bull-Bora-hansgrohe den fünften Platz und liegt in der Gesamtwertung 35 Sekunden hinter Vingegaard auf Rang acht. „Remco hat heute ein super Mannschaftszeitfahren gemacht. Er hat viel Arbeit heute gemacht. Meine Beine waren noch nicht ganz so gut“, sagte der 25-Jährige. „Aber ich bin trotzdem ganz happy und ich freue mich jetzt einfach, dass es losgeht.“ Sein Teamkollege Remco Evenepoel, dreimaliger Zeitfahrweltmeister und Olympiasieger, ließ Lipowitz knapp zwei Kilometer vor dem Ziel zurück und wurde Fünfter. „Wir haben uns schon lange darauf konzentriert“, sagte Evenepoel vor dem Start. „Wir peilen den Etappensieg an, aber das machen natürlich viele Teams.“
Neuer Modus und spektakuläre Strecke
Anders als bei früheren Mannschaftszeitfahren wurde die Zeit für jeden Fahrer einzeln genommen – eine Neuerung, die die Taktik beeinflusste. Visma-Lease a Bike setzte ihre Strategie perfekt um: Noch an den letzten beiden Anstiegen hatte Vingegaard mehr Teamkollegen bei sich als seine Konkurrenten. Die Strecke führte vom Meer durch die Innenstadt Barcelonas, vorbei an der Sagrada Família, und endete mit zwei Anstiegen. Die Teams hatten sich intensiv vorbereitet, unter anderem mit Training auf Formel-1-Rennstrecken und Windkanaltests. Der deutsche Routinier John Degenkolb, der am Vortag im Training gestürzt war, quälte sich durch das Rennen. „Das spürt man natürlich, dass das dann Energie kostet“, sagte er der ARD.
Pogacar bleibt Favorit, Vingegaard zeigt Stärke
Pogacar, der mit einem fünften Toursieg zu den Rekordhaltern Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault und Miguel Indurain aufschließen könnte, wird voraussichtlich bereits am Sonntag zurückschlagen. Doch Vingegaard, der 2023 die Tour gewann und im Mai den Giro d'Italia für sich entschied, zeigte sich in starker Form. „Ich bin besser als jemals zuvor“, hatte er bei der Teampräsentation klargestellt. „Aus offensichtlichen Gründen hatte ich ein paar schwierige Jahre. Die Tour ist das größte Rennen, und schon allein das Gelbe Trikot zu tragen, ist etwas Besonderes, etwas, das ich genießen werde.“
Ausblick auf die nächsten Tage
Am Sonntag führt die zweite Etappe von Tarragona zurück nach Barcelona über 168,5 Kilometer, mit drei Anstiegen über den Montjuïc und dem Ziel am Olympiastadion bergauf. Am Montag geht es dann in die Pyrenäen nach Frankreich. Die Tour endet am 26. Juli in Paris. Barcelona ist zum fünften Mal Etappenort der Tour de France.



