Die IG Metall hat eindringlich davor gewarnt, den eingeschlagenen Weg der deutschen Stahlindustrie hin zu einer klimaneutralen Produktion zu verlassen. Sollte der Emissionshandel in Europa verwässert werden, würden jene Unternehmen benachteiligt, die bereits in die Transformation investiert haben, erklärte Jürgen Kerner, Zweiter Vorsitzender der IG Metall, in Frankfurt. „Es muss das klare Signal geben: Wir stehen zum Geschäftsmodell grüner Stahl.“
Milliardenförderung und drohende Jobverluste
Die Politik habe für den Umbau der Stahlbranche rund acht Milliarden Euro an Fördermitteln zugesagt. Nun sei Planungssicherheit für Unternehmen wie Salzgitter und Saarstahl erforderlich, die bereits konkrete Schritte in Richtung grünen Stahl unternommen haben. Werde man die Klimavorgaben nun zurücknehmen, gefährde dies nicht nur Steuergelder, sondern auch zehntausende Arbeitsplätze. „Da sprechen wir über 20.000 Jobs“, so Kerner. Zudem kritisierte er, dass weiterhin mehr als drei Millionen Tonnen Stahl aus Russland nach Europa importiert werden. Dies müsse durch EU-Sanktionen unterbunden werden.
Krise der deutschen Stahlindustrie
Die deutsche Stahlindustrie, die vor allem in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und dem Saarland angesiedelt ist, leidet seit Jahren unter einer tiefgreifenden Krise. Ursachen sind die schwache Konjunktur, hohe US-Zölle auf Stahl sowie die Konkurrenz durch günstige Importe, insbesondere aus Asien. Im Jahr 2025 sank die Produktion auf 34,1 Millionen Tonnen Rohstahl – der niedrigste Stand seit der Finanzkrise 2009. Die Umstellung auf klimafreundlichen „grünen“ Stahl, der zunächst mit Erdgas und später mit Wasserstoff hergestellt werden soll, erfordert immense Investitionen, während der Absatzmarkt für dieses Produkt noch in den Kinderschuhen steckt.
Brüssel erwägt Revision des Emissionshandels
In Brüssel plant die EU-Kommission für Juli Vorschläge zur Überarbeitung des Emissionshandels. Aus der Industrie und Teilen der Politik wächst der Druck, das Klimaschutzinstrument abzuschwächen, um die Wirtschaft von den Kosten der CO2-Zertifikate zu entlasten. Die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger sieht dadurch den Umbau der heimischen Stahlindustrie gefährdet und warnte kürzlich in einem Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vor einem Rückwärtsschritt.
Kundgebungen geplant
Die IG Metall will am Freitag mit einer Kundgebung in Berlin den Druck auf die Bundesregierung erhöhen. Erwartet werden rund tausend Teilnehmer aus etwa 30 Stahlbetrieben aus ganz Deutschland. Parallel dazu findet im saarländischen Völklingen eine weitere Kundgebung statt, zu der mehrere tausend Menschen erwartet werden.
Kerner betonte, dass die Politik bereits einiges für die Stahlindustrie getan habe, etwa durch den Industriestrompreis und höhere EU-Zölle gegen Billigimporte. Die Bundesregierung dürfe jedoch nicht auf halbem Weg stehen bleiben. „Das Glas ist erst halb voll.“



