Der Weltfußballverband Fifa hat einem Bericht der „New York Times“ zufolge seit einem Jahr ein weitgehend ungenutztes Büro im New Yorker Trump Tower angemietet und zahlt dafür Miete an das Familienunternehmen von US-Präsident Donald Trump. Der Vorgang soll auf einen persönlichen Wunsch von Fifa-Präsident Gianni Infantino zurückgehen, um die Nähe und Gunst Trumps zu sichern.
Büro für die WM-Nutzung
Ein Fifa-Sprecher bestätigte die Existenz des Büros und erklärte, man zahle eine „übliche Marktmiete“ von etwa 70 Euro pro Quadratmeter pro Monat. Das Büro solle vor allem während der am Donnerstag beginnenden Weltmeisterschaft genutzt werden, bei der das Gros der Spiele in den USA ausgetragen wird. Infantino lebt seit einem Jahr in Miami.
Kritik an Infantinos Nähe zu Trump
„Er weiß, was man tun muss, um die Beziehung zu pflegen“, zitiert die „New York Times“ den saudischen Fußballfunktionär Majed Al Sahib. Dazu gehören regelmäßige Auftritte mit Trump, öffentliche Lobpreisungen und sogar die Gründung und Verleihung des „Fifa Friedenspreises“ an den US-Präsidenten. Laut Al Sahib hatte dies viele in der Fifa beschämt. Die norwegische Verbandspräsidentin Lise Klaveness sah darin einen klaren Bruch der Neutralitätsregeln.
Vorteile durch Trump-Nähe
Die Gunst der Trump-Regierung bringt der Fifa weitere Vorteile. Das US-Justizministerium stellte kürzlich ein langwieriges Strafverfahren im Rahmen von Ermittlungen gegen die Fifa ein. Die Staatsanwaltschaft erklärte, der Fall „passe nicht zu den Prioritäten der Regierung“. Noch 2015 hatte die US-Justiz dutzende Beschuldigte in mehreren Ländern angeklagt, etwa wegen Bestechung bei Vergabeverfahren. Beim Zuschlag der Weltmeisterschaften an Russland und Katar sollen damals Schmiergelder geflossen sein. Die Ermittlungen führten zum Rücktritt des damaligen Fifa-Präsidenten Sepp Blatter. Ein Jahr später wurde Infantino zu seinem Nachfolger gewählt.
Infantinos Nähe zu Putin und Katar
Auch zu Wladimir Putin und dem Emir von Katar suchte Infantino rund um die Weltmeisterschaften 2018 und 2022 große Nähe. Putin zeichnete Infantino später mit dem russischen „Orden der Freundschaft“ aus. Vor der Katar-WM lebte Infantino über ein Jahr in Doha, mietete ein Haus für seine Familie und schulte seine Töchter dort ein. Infantino wuchs als Sohn italienischer Einwanderer in der Schweiz auf und stammt aus bescheidenen Verhältnissen. Sein Vater war ein einfacher Eisenbahnarbeiter. Er rechtfertigt die Nähe zu den reichen Machthabern als „absolut entscheidend für den Erfolg einer Weltmeisterschaft“.
Wiederwahl 2027
2027 steht auch Infantinos Wiederwahl an. Das letzte Wort haben dann die 211 nationalen Verbände. Deren Gunst sicherte der Schweizer sich bislang etwa durch die Erweiterung der WM auf 48 Teams und durch Entwicklungsprojekte der Fifa. Es wäre Infantinos dritte Amtszeit, die auch die WM 2030 umfassen würde. Relevant für ihn würden dann die Staats- und Regierungschefs von Spanien, Portugal und Marokko.



