Schamlos in St. Petersburg: Während der russische Präsident Wladimir Putin (73) seinen Krieg gegen die Ukraine fortsetzt und täglich Städte bombardiert, findet in St. Petersburg seine große Wirtschaftspropagandashow statt. Offiziell geht es um Handel, Kontakte und Investitionen, doch der Kreml braucht vor allem Bilder von vollen Sälen, Händeschütteln und westlichen Gästen. Und einige dieser Gäste kommen wieder aus Deutschland.
Prominente deutsche Teilnehmer
Der prominenteste Name ist Thomas Bruch, Gesellschafter der Supermarktkette Globus. Laut „Handelsblatt“ reist er erstmals seit Putins Angriff auf die Ukraine wieder zum Wirtschaftsforum. Er nimmt als Gesellschafter der russischen „Hypermärkte“ teil, der Besuch diene „der Pflege wirtschaftlicher Kontakte“. Globus betont, kein Geschäft mit Russland zu treiben, da die russischen Märkte seit Januar 2025 von der deutschen Holding abgespalten seien. Allerdings hält Bruch Anteile an den russischen Standorten und soll auf einem Panel über deutsche Unternehmen in Russland sitzen.
Ebenfalls dabei ist Stefan Dürr, deutsch-russischer Doppelstaatsbürger, Agrarunternehmer und Gründer des Milchkonzerns EkoNiva. Hinzu kommt Matthias Schepp, Chef der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer. Die „Deutsche Welle“ nennt zudem Leo Eppinger, Mitinhaber des Moskauer Industriekonzerns Masterlok, der unter anderem Klebstoffe herstellt. Früher führte er das russische Büro der Ingenieurgruppe Metalock. Auch Polina Sharova ist vertreten, Eigentümerin von Hermes-Ural, die die russischen Aktivitäten des Heizungsriesen Viessmann leitet.
AfD trifft Gazprom
Auch die AfD ist mit mehreren Vertretern präsent: Fraktionsvize Markus Frohnmaier (35), der energiepolitische Sprecher Steffen Kotré (54), Sachsens AfD-Chef Jörg Urban (61) und der EU-Abgeordnete Petr Bystron (53). Frohnmaier traf sich mit Gazprom-Chef Alexej Miller (64), um über Nord Stream und mögliche neue Gaslieferungen zu sprechen.
In Berlin sorgt die Teilnahme für scharfe Kritik. CDU-Außenpolitiker Jürgen Hardt (63) bezeichnete sie als „Propaganda-Auffrischung“ für Putin und als „unpatriotisch“. Das Auswärtige Amt hatte AfD-Politikern von der Teilnahme abgeraten. Für den Kreml sind solche Namen wertvoll, um zu zeigen, dass Russland trotz Sanktionen nicht isoliert ist. Dabei steht Putins Wirtschaft unter Druck: hohe Rüstungsausgaben, schwankende Öl- und Gaseinnahmen und steigende Preise belasten das Land.



